Timeline - Rückert-Oberschule (Gymnasium)

Suchen
Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü

Timeline

Über uns

Timeline
Geschichte der Rückert-Schule

Links auf die Bilder klicken für zusätzliche Informationen  |   
Dia-Show ansehen

>> 1909 bis 1933

Am 14. Dezember 1908 beschloss die Stadtverordnetenversammlung in Schöneberg eine vierte Höhere Mädchenschule einzurichten, die am 1. April 1909 zunächst in der Hohenstaufenstraße 49 und dann am Wartburgplatz untergebracht wurde. Sie erhielt später den Namen „Rückert-Schule“ zu Ehren des Dichters und Professors für orientalische Sprachen Friedrich Rückert (1788 – 1866). Die Gründung der Rückert-Schule fiel zeitlich zusammen mit der Neuordnung der Mädchenbildung in Preußen.

Im April 1914 zog die Schule in das heutige – damals neu errichtete – Gebäude an der Raetherstraße 2/3 (heutiger Schulhof). Die Rückert-Schule war jetzt städtisches Lyzeum. 1920, zwei Jahre nach dem Ende des 1. Weltkrieges, hatte die Schule 552 Schülerinnen in 19 Klassen, ein Rekord in der Geschichte der Schule bis 1945. Für das Jahr 1920 weist die Statistik auch 28 „Lehrende“ aus, die mit einer Vollstelle 22 Unterrichtsstunden pro Woche erteilten. Im Jahr 2012 beträgt die Pflichtstundenzahl mindestens 26 Wochenstunden – Arbeitszeitver-kürzung scheint im Schulbereich ein Fremdwort zu sein!


Neben dem regulären Unterricht entwickelte die Rückert-Schule in den zwanziger Jahren vielfältige außerschulische Aktivitäten, die den Schülerinnen zusätzliche Entfaltungsmöglichkeiten jenseits des schnöden Schulalltags boten. Es gab den Turnverein, die Kunstgemeinschaft, den Werkunterricht und die Gartenarbeit sowie den 1921 aus der Taufe gehobenen Ruderverein, der die Rückert-Schule durch seine sportlichen Erfolge bald weit über die Grenzen Schönebergs hinaus bekannt machte. 1927 richtete die Schule eine Wohlfahrtspflege ein, die dem sozialen Dienst am Nachbarn verpflichtet war. Zahlreiche Fahrten führten die Klassen in das nahe gelegene Buckow, in die Sächsische Schweiz, an den Werbellinsee und im Winter zum Skifahren ins Riesengebirge.


 

Der Schulbesuch war nicht kostenlos. Die Eltern mussten für ihre Töchter bis zu 240 Mark Schulgeld bezahlen. Zum Vergleich: Ein Gärtner bekam 1908 einen Tagelohn von 5 Mark, der Direktor der Rückert-Schule erhielt 1912 etwa 9300 Mark Gehalt, eine Direktorenzulage von 600 Mark und eine Dienstwohnung im Schulgebäude. Für die Schülerinnen aus ärmeren Haushalten gab es Zuschüsse und 1910 hatten 10 % der Schülerinnen Schulgeldfreiheit.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in den 50er Jahren an den Schulen die Lernmittelfreiheit eingeführt. Den Schülern und Schülerinnen wurden die Bücher zur Verfügung gestellt und später eine Zeit lang sogar übereignet. Seit einigen Jahren müssen die Eltern in Berlin einen Eigenanteil an den Kosten für die Lernmittel zahlen. Rückert-Schüler müssen deshalb in einen so genannten Bücherfonds einzahlen, um die Lehrbücher ausgeliehen zu bekommen, oder sie müssen sie selbst kaufen.

Mit Beginn der 30er Jahre war ein lang erstrebtes Ziel endlich erreicht: Der Ausbau der Rückert-Schule zu einer „Vollanstalt“. Die Rückert-Schule war nun ein Oberlyzeum und erlangte damit die Berechtigung, Abiturprüfungen durchzuführen. Dies führte zur Angleichung an das Knabenschulwesen, mit den gleichen Lehrplänen wie für die Jungen. Für die Schülerinnen bedeutete es eine neue Gewichtung von Mathematik und Naturwissenschaften. Der wissenschaftliche Unterricht in der Oberstufe sollte nur von akademisch ausgebildeten Lehrkräften erteilt werden, die jetzt Studienräte/innen hießen. Im März 1931 legten 20 Mädchen der neueingerichteten Oberstufe erfolgreich die erste Reifeprüfung (Abitur) an der Rückert-Schule ab.

>> 1933 bis 1945

 

Der Beginn der Nazi-Diktatur 1933 war auch für die Rückert-Schule ein gravierender Einschnitt. Anfang 1934 wurde per Ministerialerlass für alle deutschen Schulen das „Führerprinzip“ verfügt. Auch die Rückert-Schule befand sich nun im nationalsozialistischen „Gleichschritt“. Politisch missliebige sowie „nichtarische“ Beamte wurden entlassen, an der Rückert-Schule waren davon drei Lehrer und Lehrerinnen betroffen. Soweit dies heute noch rekonstruierbar ist, ließ sich der weitaus größte Teil des Lehrerkollegiums nicht direkt im nationalsozialistischen Sinne instrumentalisieren, aber es gab auch unter den Lehrkräften und Schülerinnen Nazis. Ehemalige  Schülerinnen berichten, dass der Lateinlehrer  nationalistische Verse verfasste, die, vom Direktor vertont, in der Aula gesungen werden mussten. Eine Lehrerin wurde von einem BDM-Mädchen denunziert, angeblich weil sie die Schülerin darüber belehrte, dass die Hausaufgaben wichtiger seien als der BDM-Heimabend.

Auffallend in dieser Zeit sind auch die vielen Feierstunden an der Rückert-Schule, zum Beispiel „Gedächtnisfeier für die Toten des Ersten Weltkrieges. Oberstudienrat Götze hält die Ansprache.“, „Studienrat Dettloff hält eine Ansprache auf der Schlageter-Feier, die in der 3. Stunde stattfindet. Anschließend fällt der Unterricht aus“, hinzu kamen „Reichsgründungsfeiern“, Gedenkfeiern zur „Übernahme der nationalen Regierung“, „Heldengedenkfeiern“, „Koloniale Feierstunden“, „Geburtstagsfeiern des Führers“ und die gemeinsame Anhörung von „nationalpolitischen“ Radiosendungen. Es entwickelte sich eine wahre Feiermanie, viel Unterricht musste und durfte dafür ausfallen. Später kamen auch Luftschutzübungen hinzu.

In dieser Zeit ragt eine Frau durch ihren persönlichen Mut und ihr Bemühen, mit diplomatischem Geschick der Indoktrination entgegenzuwirken, heraus: die Lehrerin Frau Dr. Elisabeth Abegg, die nach ihrer Zwangspensionierung 1941 zahlreichen Verfolgten des Nazi-Regimes half.

Von den neuen politischen Verhältnissen waren vor allem die Schülerinnen und ihre Familien betroffen. Das Bayerische Viertel, ein Wohnviertel rund um den Bayerischen Platz, in dem der Anteil jüdischer Mitbürger besonders hoch lag, gehörte zum Einzugsgebiet der Rückert-Schule. Eine ehemalige Schülerin des Abiturjahrgangs 1939 erinnerte sich 1989: „Wir hatten ja ein Drittel Jüdinnen in der Klasse. Die wanderten seit ’34 aus und hatten es bis ’38  zum Glück alle geschafft.“ Wie vielen jüdischen Schülerinnen es tatsächlich gelang, sich vor der nationalsozialistischen Verfolgung in Sicherheit zu bringen, blieb bislang im Dunklen.

Auf das Video oben klicken. Eine Zeitzeugin erinnert sich an ihre Schulzeit auf der Rückert-Schule von 1933 - 1936.  

Eine im Schularchiv gefundene Schreibmaschinenseite – vermutlich aus den 50er oder 60er Jahren – listet 17 Namen von Abiturientinnen des Jahrgangs 1932 auf. Verfasser und Zweck der Liste lassen sich nicht rekonstruieren, es könnte sich um die Vorbereitung des 25- oder 30-jährigen Klassentreffens handeln. Hinter drei Namen steht der lapidare Vermerk „emigriert“, hinter zwei weiteren sind Adressen in England und den USA vermerkt. Es kann vermutet werden, dass diese ehemaligen Schülerinnen Deutschland wegen ihres jüdischen Glaubens verlassen mussten – ein bedrückendes Dokument.

Das letzte Abitur während des Krieges wurde 1943 im Rathaus Schöneberg abgenommen, da die Rückert-Schule durch einen Luftangriff beschädigt worden war. Bereits 1942 war auch der „Notunterricht“ in andere öffentliche Gebäude ausgelagert worden. Etwa 100 Schülerinnen wurden – z.T. in Begleitung ihrer Mütter – im August 1943 mit dem Direktor und seiner Frau sowie den Lehrkräften freiwillig evakuiert. Im weiteren Kriegsverlauf führte eine wahre Odyssee die evakuierte Rückert-Schule von Ortelsburg in Ostpreußen bis in eine provisorische Unterkunft in der Nähe von Prag. Mit der deutschen Kapitulation im Mai 1945 wurde für kurze Zeit auch die Geschichte der Rückert-Schule unterbrochen.

1945 bis 1972

 
 

Im zerstörten und zunächst allein von den Russen besetzten Berlin musste das Schulleben neu aufgebaut werden. Bereits Ende Mai 1945 begannen die Aufräumungsarbeiten im alten, im Krieg beschädigten Schulgebäude an der Raetherstraße. Am 1. Juni wurde mit den in Schöneberg verbliebenen Schülerinnen der eigentliche Schulbetrieb wieder aufgenommen. Es musste viel improvisiert werden: Es fehlten Fachlehrer, es gab weder Schulbücher noch Rahmenpläne; der Stundenplan wurde vom Kollegium selbst entworfen. Die Rückert-Schule führte vorübergehend den Namen Vereinigte Chamisso-Rückert-Uhland-Oberschule. Dies geschah mit Rücksicht auf die noch nicht zurückgekehrten Schülerinnen und Lehrkräfte dieser drei Schöneberger Mädchenschulen. Die ersten Zeugnisse nach dem Krieg tragen diesen Schulnamen.

Als die Schülerinnen 1945 nach den großen Ferien zum Unterricht zurückkamen, hatten die Lehrer, so gut es unter den damaligen Umständen möglich war, für Lehrstoff gesorgt: aus den Lesebüchern von vor 1933 Texte, Gedichte und Lieder, ferner bewährte deutsche Literatur, fremdsprachliche Lektüren, in Mathematik und den Naturwissenschaften einwandfreie Unterlagen, oft aus Fachbüchern herausgeschnitten. Im Winter 1945/46 gab es dann neue Probleme: Die Heizung war noch nicht wieder in Betrieb und die kleinen eisernen Öfen in den Klassenräumen reichten nicht aus. Da im Lehrerzimmer ein riesiger eiserner Ofen stand, wurden bei großer Kälte im Lehrerzimmer von 8.00 – 18.00 Uhr Klassen nacheinander untergebracht und unterrichtet. Heute ist es kaum vorstellbar, dass Lehrer und Schüler während der Unterrichtsstunden mit Mantel, Mütze und Handschuhen bekleidet waren.

Vorliegenden Dokumenten ist zu entnehmen, dass sich auch die Schöneberger Lehrer dem Entnazifizierungsverfahren durch die Amerikaner unterziehen mussten. Dabei interessierte sich die amerikanische Militärregierung besonders für die etwaige NSDAP-Mitgliedschaft der Lehrer („Information on NSDAP records“). Die Ergebnisse der Fragebogenauswertung wurden mit den Karteien im Document Center verglichen, und dann informierten die Amerikaner bis zur Teilung der Stadt das Hauptschulamt des Magistrats von Groß-Berlin. Die Entnazifizierung zog sich hin, und außerdem war es zunächst schwierig, die Schöneberger Schulen mit Lehrern zu versorgen. Lehrkräfte mussten neu verteilt bzw. neu eingestellt werden, wobei es in den ersten Nachkriegsjahren in einigen Fällen zu einem Kompetenzgerangel zwischen den bezirklichen Schulbehörden um die Lehrerzuteilung, die Weiterbeschäftigung und die Bezahlung kam.

Zum Schuljahr 1946/47 normalisierte sich – abgesehen von den fehlenden Hilfsmitteln – das Rückert-Schulleben immer mehr, und im Herbst fand die erste Reifeprüfung nach dem Krieg statt, die alle Schülerinnen mit Erfolg bestanden. Eine Schülerin, aktives Chormitglied, die die Rückert-Schule von 1947 bis zum Abitur 1951 besuchte, erinnert sich „an einige Abiturfeiern im Lehrerzimmer (!) ab 1947, wo der Schulchor dicht gedrängt stehend ausharren musste, bis der damalige Schulleiter, Dr. Fritz Hühne, die ganze (!) Klaviersonate „Les Adieux“ von Beethoven den Tasten entlockt hatte. Wenn die Schulspeisung zu dünn und die schlechte Luft im Lehrerzimmer zu dick gewesen waren, kam es gelegentlich zu einem „Umfall“ zart besaiteter Gemüter.“

 


Direktor Dr. Hühne, der die Schule von 1945 – 1951 leitete, war für den demokratischen Neuanfang offensichtlich der richtige Mann. Den Schülerinnen, deren Leben sich in den ersten Nachkriegsjahren in einer Atmosphäre der Ungewissheit und der Unruhe abspielte, konnte er einen festen Halt vermitteln. In den Kriegsjahren hatten die Schülerinnen zum Teil Schreckliches erlebt. Auf fast allen Gebieten – so auch auf dem der Bildung – war nach den schlimmen Erfahrungen unter dem Nationalsozialismus eine grundlegende Neuorientierung nötig. Bis 1945 war im Unterricht im nationalsozialistischen Sinne einseitig indoktriniert worden, nun musste besonders in den Fächern Deutsch, Biologie und Geschichte der Lehrstoff von ideologischem Ballast befreit und den Schülerinnen ein offenes, kritisches Weltbild vermittelt werden. Es gab endlich wieder eine freie Diskussion, mit besonderem Gewinn beim neuen Direktor Dr. Hühne, wie sich eine ehemalige Schülerin erinnert.

Anfang Juli 1948 bekam die Rückert-Schule einen sehr prominenten Nachbarn: In das ehemalige Bürohaus einer Tochtergesellschaft des berüchtigten Unternehmens IG Farben zog der RIAS (Radio im amerikanischen Sektor) ein. Das Foto zeigt die Eröffnungsfeier mitten in der Blockadezeit am 5. Juli. An der Gebäudegrenze zur Rückert-Schule ist ein Baugerüst zu erkennen, da noch an der Beseitigung der Bombenschäden gearbeitet wurde. Über die neue Nachbarschaft berichtet die Schulchronik, „dass sich ein lebhafter Kontakt zwischen der Schule und dem Rundfunk entwickelte. Sendungen wurden gemacht, oder Besucher kamen, um die Schule zu besichtigen. Aber besonders intensiv war immer der Kontakt zu den ‚Balkonpflanzen’, den Mädchen der Klasse aus dem Balkonzimmer. Kleine Flirts brachten Freikarten ein.“ Ein Beispiel lebendiger Demokratie besonders für die RIAS-Hörer im Osten waren später die Schulklassengespräche, die von Manfred Rexin geleitet und moderiert wurden. In dieser Sendung „Prominente zu Gast“ konnten Schüler der Abiturklassen kritische Fragen an Spitzenpolitiker stellen. Bis in die 80er Jahre fanden die Gespräche in lockerer Folge auch an der Rückert-Schule statt. 1993 stellte der RIAS seinen Sendebetrieb ein, da er nach dem Ende des Kalten Krieges und der deutschen Wiedervereinigung seine Aufgabe als „eine freie Stimme der freien Welt“ erfüllt hatte. In das RIAS-Gebäude zog Deutschlandradio Kultur ein. Geblieben ist das unverwechselbare, denkmalgeschützte und weithin sichtbare RIAS-Signet auf dem Dach.

Auf dem Foto, Aufnahmedatum um 1950, ist am rechten Flügel des RIAS-Gebäudes zu sehen, wie Bombenschäden unmittelbar neben der benachbarten Rückert-Schule beseitigt werden, die ebenfalls beschädigt wurde. Nachdem 1943 die Luftangriffe auf Berlin verstärkt wurden, war in der Nacht vom 1. zum 2. März 1943 eine Luftmine in den Schrebergärten vor der Schule niedergegangen, die das Schulgebäude schwer erschütterte. In dem Erlebnisbericht des damaligen Direktors heißt es dazu: „Zahlreiche Brandbomben mussten gelöscht werden, Türen waren heraus gedreht und dabei zersplittert, sämtliche Fenster zerbrochen. Der Unterricht musste für längere Zeit in einer fremden Schule abgehalten werden, was viel Unbequemlichkeit und Verdruss bereitete.“ Und eine Lehrerin, die nach Kriegsende im Mai 1945 an die Rückert-Schule kam, berichtete Folgendes: „Die Schule als Gebäude war im Krieg stehen geblieben, aber natürlich beschädigt. Die Dachschindeln waren abgedeckt, Fensterscheiben mit Pappe und Röntgenplatten ausgeflickt. In den ersten Tagen gab es keine Schüler. Da haben wir zusammen mit Trümmerfrauen jeden Tag Eimerketten gebildet und den Schutt von oben heruntergeholt auf einen großen Schutthaufen“.

 

Mögen kurz nach dem Krieg auch einige ältere Lehrkräfte noch einen autoritären Unterrichtsstil gepflegt haben und vereinzelt sogar noch von nationalsozialistischem Gedankengut beeinflusst gewesen sein, so setzte doch eine Verjüngung des Kollegiums ein und ab Mitte der 50er gab es eine vorsichtige und schrittweise Liberalisierung des Schulalltags und des Unterrichts, die von den Schülerinnen und Schülern begrüßt wurde und die bis heute nachwirkt. So war ab 1954 die nachträgliche Einsicht in die Abiturarbeiten möglich, 1955 wurde die Verfügungsstunde eingeführt, dann gab es den „Studientag“ für die Oberstufe und 1960 die Auflockerung der starren Sitzordnung zugunsten einer lockeren Gruppierung im Klassen  oder Fachraum. Es blieb natürlich nicht aus, dass größere Freizügigkeit von der Schülerschaft bisweilen auch „missverstanden“ wurde. Im Lehrermitteilungsbuch findet sich 1958 die Bemerkung: „Ich bitte die Lehrer, innerhalb der Unterrichtsstunden keine Schüler aus dem Raum gehen zu lassen, damit endlich der Unfug aufhört, dass Lehrer mit ihren Klassen von außen eingeschlossen werden“. Aber auch an Kurioses erinnert man sich sogar in den 60er Jahren noch: Einer Geschichtslehrerin stiegen vor der Klasse regelmäßig die Tränen in die Augen, wenn sie das Thema „Deutsches Kaiserreich“ unterrichtete.

In den 50er Jahren glänzte die Rückert-Schule durch zahlreiche äußerst erfolgreiche Musikaufführungen. Höhepunkt der „gesamtkünstlerischen“ Leistungen der Schule war 1960 die Aufführung der „Carmina Burana“ von Carl Orff in Zusammenarbeit mit der Paul-Natorp-Schule. Auch der Kunstunterricht wurde von den Kollegen grundlegend umgestaltet. Die veraltete Ästhetik musste überwunden werden. Der Zeichensaal wurde so eingerichtet, dass ein freies und kreatives Arbeiten möglich war. Neben Malen und Zeichnen trat zu dieser Zeit auch das Werken. Im Keller wurden Werkräume eingerichtet, ausgestattet mit Keramik- und Emailbrennöfen. Vor allem der Kunstlehrer Herr Netzband ist vielen ehemaligen Schülern in guter Erinnerung geblieben als ein Lehrer, „der nicht nur von der Schule, sondern auch vom Leben erzählen konnte.“ Sein intensiver und fordernder Kunstunterricht, seine vielfältigen künstlerischen Aktivitäten mit Schülern außerhalb des Kunstunterrichts sowie seine regelmäßigen Fahrten zu den „documenta“ – Ausstellungen wurden sehr geschätzt. Neben dem Werkunterricht gab es auch noch eine Zeit lang Kochunterricht, der auch von Jungen belegt wurde.

Das Abitur 1951 war das letzte, das nach dem 12. Schuljahr absolviert werden konnte. Von nun an waren wieder – wie vor 1938 – 13 Schuljahre zum Erreichen der Reifeprüfung obligatorisch. Die Zeit zwischen 1948 und 1952 brachte für das Schulsystem in der Vier-Sektoren-Stadt Berlin erhebliche Veränderungen. Das Schulgesetz wurde novelliert und in West-Berlin die sechsjährige Grundschule eingeführt. Die Schülerinnen und Schüler traten jetzt mit 12 Jahren in die 7. Klasse der Oberschule ein. Mit dieser Änderung des Schulgesetzes wurde 1951 auch die Koedukation eingeführt, und in den Klassen der Rückert-Oberschule tauchten nun nach und nach die ersten Knaben auf, obwohl es in den 50er Jahren in den Unterstufen-Jahrgängen auch weiterhin noch reine Mädchenklassen gab. Anfangs waren die Jungen bei Rückert deutlich in der Minderheit, nur zwischen 1959 und 1964 überstieg die Anzahl der Jungen die der Mädchen, bis sich dann wieder die Überzahl der Mädchen einstellte. Heute sind in den Französischklassen die Mädchen viel stärker vertreten als die Jungen.

1954 kam die erste Ausgabe der Schülerzeitung „hört! hört!“ heraus, die erste Schülerzeitung überhaupt in der Geschichte der Rückert-Schule. Weitere Schülerzeitungen gänzlich unterschiedlicher Art sollten in unregelmäßigen Abständen bis heute folgen und eine Bereicherung des Schullebens darstellen. „hört! hört!“ wurde von drei Jungen einer 10. Klasse gegründet, die damit in den 50er Jahren völliges Neuland betraten. Die Artikel, durchaus von sehr unterschiedlicher Qualität, wie die Zeitungsmacher im Nachhinein selbstkritisch feststellen, sorgten aber für Zündstoff und regten viele Diskussionen an, auf jeden Fall machte „hört! hört!“ Furore und wurde zu einer Institution sowohl innerhalb als auch außerhalb der Schule. „hört! hört!“ erschien mit wechselnder  redaktioneller Besetzung bis 1969 und erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter einen „Sonderpreis für sehr gute politische Berichterstattung“. Trotzdem berichten die Zeitungsmacher aber auch von z.T. erheblichen Schwierigkeiten in ihrer weiteren Schullaufbahn mit einzelnen Lehrern aufgrund ihrer Aktivitäten.

 

Mitte der 60er Jahre wurde nicht nur der Ton in den Beiträgen der Schülerzeitung schärfer, sondern vereinzelt auch in der Schülerschaft, denn die gesellschaftlichen und außenpolitischen Themen und Konflikte jener Jahre – Vietnam-Krieg, Mord an Martin Luther King, Studentenprotest,  Che Guevara – schwappten auch in die Rückert-Schule hinein und die Faszination der außerparlamentarischen Opposition beflügelte die Forderungen mancher Schüler. Die Bombendrohungen im September 1969 sowie der Versuch, den im März 1970 ausgerufenen Schülerstreik auch an der Rückert-Schule durchzusetzen, blieben aber erfolglos.

Die unruhigen Zeiten spiegelten sich nun auch in den Themen der von der SMV („Schülermitverantwortung“) geleiteten Vollversammlungen wider. Es ging jetzt öfter um gesellschaftliche Themen wie z.B. „Geschichte und Bedeutung des 1. Mai“ oder „Studentendemonstration – eine demokratische Erscheinung“. Aber auch Schulleitung und Kollegium setzten sich für den Abbau überholter Konventionen ein: 1968 entfiel für die 11. bis 13. Klasse das „Aufstehen“ der Schüler „bei Eintritt der Lehrkräfte zu Unterrichtsbeginn“, und den Schülern der Oberstufe wurde eingeräumt, in den Pausen nicht mehr unbedingt den Schulhof aufsuchen zu müssen.

Der Abiturjahrgang 1956 war der letzte, der nur aus Mädchen bestand. Von 1951 an stieg die Schülerzahl der Rückert-Oberschule an bis auf  800 im Jahr 1955, sank dann und stieg ab 1970 wieder stetig an bis auf  732 im Jahr 1981. 1951 wurde auch der mathematisch-naturwissenschaftliche Zug mit erweitertem mathematisch-naturwissenschaftlichem Unterricht und Englisch und Französisch eingeführt. Bis zu diesem Zeitpunkt war die Rückert-Oberschule ein neusprachliches Gymnasium mit der Fremdsprachenfolge Englisch, Französisch, Latein. Ab der 9. Klasse hatten die Schüler nun zwischen dem mathematisch-naturwissenschaftlichen Zug (m-Klasse) und dem neusprachlichen Zug (s-Klasse) zu wählen.

>> 1972 bis 2009

 

Die Vereinbarung der Kultusministerkonferenz zur Neugestaltung der gymnasialen Oberstufe von 1972 führte auch an der Rückert-Oberschule – wie an allen anderen Gymnasien – zu einschneidenden Veränderungen. Im 12. und 13. Schuljahr wurden die Schüler und Schülerinnen nun nicht mehr im Klassenverband unterrichtet, sondern in Kursen. Aus dem Halbjahres-(Semester) Angebot der Schule stellen sich die Schüler nun ihre Pflicht- und Wahlkurse zusammen.

Die Wahl von Herrn Rinnert zum Schulleiter leitete 1981 eine ruhige, für viele Jahre positive Entwicklung der Rückert-Schule ein. Die Schule war ein anerkanntes, gut geführtes und personell hervorragend ausgestattetes Gymnasium, das im „Kiez“ ausreichend gymnasial befähigte Schüler und Schülerinnen rekrutieren konnte und von der bezirklichen Schulaufsicht unter Herrn Dr. Laube in jeder Hinsicht unterstützt wurde. Die neue Schulleitung praktizierte in geschickter Weise ein liberales Mitspracherecht, das allen an der Schule Beteiligten die Darstellung unterschiedlicher Standpunkte erlaubte, ohne dass die Konsensfähigkeit beeinträchtigt wurde.

Anfang der 80er Jahre platzte die Rückert-Schule wegen des Übergangs starker Schülerjahrgänge auf das Gymnasium und wegen der Schaffung zusätzlicher Fachräume aus den Nähten, so dass sogar eine Filiale eingerichtet wurde. Räume ehemaliger Senatsdienststellen in der Fritz-Elsas-Strasse wurden vorübergehend zu Unterrichtszwecken genutzt.

Seit dem Schuljahr 1986/87 gab es für einige Jahre die Möglichkeit, Türkisch als 2. Fremdsprache bis zur 11. Klasse – dort als Basiskurs – zu wählen. Auf Grund der mangelnden Nachfrage wurde dieses Angebot aber wieder eingestellt. Während dieser Zeit bestand ein intensiver und freundschaftlicher Kontakt mit der Deutschen Schule in Istanbul, der zu zahlreichen Austauschfahrten führte.

Im Dezember 1988 streikten etwa zwei Drittel der Rückert-Schüler zusammen mit den Schülern der anderen Berliner Gymnasien gegen die vom Berliner Senat und der Schulsenatorin Hanna-Renate Laurien geplanten Stundentafelkürzungen, da sie darin eine Verschlechterung ihrer Bildungschancen sahen. Es war der erste und größte Schülerstreik in der neueren Geschichte der Rückert-Schule.

Die Schülerschaft hatte sich bereits seit Mitte der 80er Jahre intensiver und aktiver in das Schulleben eingebracht, so zum Beispiel durch die Herausgabe von Schülerzeitungen und aufwändig gestalteten Jahrbüchern in eigener Regie sowie durch mehrtägige Projekttage, die vom Kollegium unterstützt wurden. So gab es  im März 1991 fundiert vorbereitete Projekttage zum Golfkrieg und zum Nahostkonflikt. Das Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern hatte sich in den vorangegangenen Jahren in erfreulicher Weise entspannt. Einige jüngere Kollegen und Kolleginnen, beeinflusst von den gesellschaftlichen Umbrüchen der 68er-Bewegung, waren an die Schule gekommen. Der Umgangston wurde freundlicher und partnerschaftlicher, und das Miteinander im Schulleben war überwiegend von gegenseitigem Respekt und der Einhaltung demokratischer Spielregeln geprägt.

Das Engagement der Schülerschaft fand 1988 und 1989 auch seinen Niederschlag in zwei sehr erfolgreichen Theateraufführungen unter der Leitung von Frau Mächler, die in der Berliner Lokalpresse ausführlich rezensiert wurden und dazu beitrugen, das positive Bild des Rückert-Gymnasiums in der Außenwahrnehmung in diesen Jahren zu verstärken. Auch der moderne Informatikunterricht unter der Ägide von Herrn Lehmann trug wesentlich zum guten Ruf der Rückert-Schule bei. Für viele Jahre blieb die Schule führend auf diesem Fachgebiet.

Gab es zwischen 1953 und 1968 überhaupt keine Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund an der Rückert-Schule, so stieg deren Anteil mit dem sich auch in Schöneberg vollziehenden demographischen Wandel seit Mitte der 80er Jahre kontinuierlich an. Daraus ergaben sich auch für den Unterricht Probleme, die von der Schule erkannt wurden. Durch Fördermaßnahmen zunächst in Deutsch und in letzter Zeit auch in anderen Fächern wird Abhilfe bzw. Besserung geschaffen. Das Zusammenleben und –lernen von Schülern und Schülerinnen aus vielen verschiedenen Nationen hat sich als ein positives Merkmal der Rückert-Schule herausgebildet.

Das Zusammenwachsen der beiden Berliner Stadthälften nach der Wiedervereinigung beeinflusste auch die Rückert-Schule in den folgenden Jahren. Für den 5.10.1990 vermerkt das Lehrermitteilungsbuch eine vom Schulleiter, Herrn Rinnert, initiierte Schulgemeinschaftsstunde in der Aula, Thema: „Die Einigung Deutschlands.“ Es gab nun eine Zeit lang freundschaftliche Kontakte mit Schulen in Eisenhüttenstadt und Cottbus mit gegenseitigen Besuchen und dem Erfahrungsaustausch von Kollegen und Schülergruppen. Mehrere Studienfahrten führten das Kollegium immer wieder zu kulturell interessanten Orten ins Umland beziehungsweise in die neuen Bundesländer. Kollegen aus dem Ostteil Berlins unterrichteten zeitweise an der Rückert-Schule, im Gegenzug gingen Kollegen von der Rückert-Schule an Schulen in Ostberlin. Inzwischen ist die Durchmischung der Lehrerschaft wie an allen Berliner Schulen auch an der Rückert-Schule längst zur Normalität geworden.

Seit 1990 beherbergt die Schule im Rahmen eines bilateralen Staatsvertrages zwischen Deutschland und Frankreich einen deutsch-französischen Bildungsgang. Für dessen Schüler ist zusätzlich zur Abiturprüfung der Erwerb des französischen Abiturs (Baccalauréat) möglich. Die Teilnahme an der Baccalauréat-Prüfung ist freiwillig. Im Juni 1998 legten die ersten zehn Schülerinnen und Schüler erfolgreich die Baccalauréat-Prüfung ab. Rasch trug der Abi-Bac-Bildungsgang zum guten Renommee der Rückert-Schule bei. Die Schülerschaft des deutsch-französischen Bildungsgangs rekrutierte sich von Anbeginn an aus ganz Berlin und zum Teil sogar aus dem Umland. Viele dieser Schüler gehen auch für ein halbes oder für ein ganzes Jahr nach Frankreich, und im Austausch nimmt die Rückert-Schule alljährlich Gastschüler und -schülerinnen aus Frankreich auf.
                                                            
In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat sich die Rückert-Schule durch vielfältige Aktivitäten (Exkursionen und Studienreisen, regelmäßige Austauschfahrten, Projekttage, Kulturabende, Sommerfeste, Tage der offenen Tür, Zeitzeugengespräche, Aula-Veranstaltungen mit Politikern, Teilnahme an Wettbewerben, Betriebspraktika in den 10., jetzt in den 9. Klassen, Besuch von Lehrer- und Schülergruppen aus dem Ausland, Auftritte der Schul-Big-Band) in bemerkenswerter Weise nach außen hin geöffnet, wovon nicht nur die Schülerschaft in besonderem Maße profitiert, sondern alle am Schulleben Beteiligten. Herr Dr. Fiuzcynski, Schulleiter seit Januar 1997, hat diese Entwicklung aufgegriffen und in besonderem Maße gefördert. Er hat außerdem die Internetpräsenz der Schule (Homepage) ebenso energisch auf den Weg gebracht wie die Einrichtung der Schulcafeteria. Die Kontakte zu französischen Partnerschulen und zu französischen Kultureinrichtungen wurden ausgebaut und gepflegt.

Es begann auch die schrittweise Renovierung der Flure, der Aufgänge und der Klassen- und Fachräume. Ihren vorläufigen Abschluss fanden die Arbeiten 2008, so dass der Festakt für die 100-Jahr-Feier in der nach historischem Vorbild aufwändig renovierten Aula stattfinden kann.

 

Seit 1993 gibt es den Förderverein „Freunde der Rückert-Oberschule“, dessen Mitglieder, aktive und ehemalige Schüler und Lehrer sowie Eltern, um Spenden werben und tatkräftig das Schulleben unterstützen und bereichern sowie viele Schulprojekte finanziell unterstützen.

Im März 1999 beschloss der Berliner Senat weitere 5. Gymnasialklassen einzurichten. Die Rückert-Oberschule bekam zum Schuljahr 1999/2000 einen bilingualen deutsch-französischen Bildungsgang ab Klassenstufe 5 genehmigt, für den es jedes Jahr mehr als doppelt so viele Anmeldungen gibt, als die Schule aufnehmen kann. Eine zweite 5. Klasse wurde bisher aber nicht genehmigt. Im so genannten F1i – Bildungsgang (Französisch intensiv) ab Klasse 7 können die Schüler nach Klasse 10 entscheiden, ob sie in den  bilingualen deutsch-französischen Bildungsgang wechseln wollen.

Die in den letzten Jahren eingeleiteten Reformen im Berliner Schulwesen haben ein geradezu atemberaubendes Tempo angenommen und alle am Schulbetrieb unmittelbar Beteiligten, Schüler und Kollegen, zum Teil an die Grenze der Belastbarkeit geführt. Auch auf den Unterricht und das Schulleben an der Rückert-Schule hat sich dies ausgewirkt. Die Schüler der Klassenstufe 10 machen nun den Mittleren Schulabschluss (MSA), der zentral gestellte Prüfungen in Deutsch, Mathematik und der ersten Fremdsprache vorsieht sowie eine Präsentationsprüfung in einem von den Schülern zu wählenden Fach. Im schriftlichen Abitur werden die Aufgaben in Deutsch, Mathematik und der ersten Fremdsprache ebenfalls zentral gestellt. Zusätzlich gibt es die so genannte „Fünfte Prüfungskomponente“, in der die Schülerinnen und Schüler zwischen einer Präsentationsprüfung oder einer BLL („Besondere Lernleistung“) in Form einer etwa 20 Seiten umfassenden schriftlichen Arbeit wählen können. Auch der Unterricht hat sich z.T. verändert. Eigenständiges Lernen und Recherchieren, Schülerpräsentationen, Projektunterricht, schülerzentrierterer Unterricht sowie die Nutzung moderner Medien wie Internet, Beamer und Notebook sind stärker in den Vordergrund gerückt.

Durch den schwierigen Umstrukturierungsprozess führt seit 2003 Herr Dr. Balke die Schule als Schulleiter. Seit dem Schuljahr 2007/8 hat die Rückert-Schule neben dem deutsch-französischen Bildungsgang durch die Einführung eines naturwissenschaftlichen Zuges einen zweiten Schwerpunkt.

Als Folge der Verkürzung der Schulzeit auf 12 Jahre verlagert sich der Unterricht immer mehr in den Nachmittag hinein. Dies stellt eine erhebliche Belastung für die Schülerinnen und Schüler der unteren Klassen dar. Die 10. Klassen des Schuljahres 2008/9 sind der letzte Jahrgang, der noch die Klassenstufe 11 durchläuft und das Abitur nach 13 Schuljahren macht. Im Schuljahr 2010/11 wird dieser 10. Jahrgang im 1. Semester der Oberstufe dann auf die Schüler und Schülerinnen der jetzigen 9. Klassen „treffen“, für die die Klassenstufe 11 ja entfallen ist.

Weitere, in den Auswirkungen noch nicht eindeutig abschätzbare Konsequenzen, werden sich aus der zurzeit in die Wege geleiteten, tief greifenden Umgestaltung der Berliner Schullandschaft ergeben, deren Kernstück die Abschaffung der Hauptschule ist und die die Einrichtung von nur noch zwei Schultypen (Sekundarschule und Gymnasium) vorsieht.

 

Mag sich Schule auch noch so rasant verändern, sei es durch Strukturveränderungen, die Einführung neuer Unterrichtsmethoden oder neuer Lehrpläne, mögen unsinnige Veränderungen auch wieder rückgängig gemacht werden, so bleibt doch festzuhalten, dass es aus Sicht der hauptsächlich Betroffenen, der Schüler und Schülerinnen, selbst über lange Zeiträume hinweg, erstaunliche Konstanten im Schulleben und im „Schule-Erleben“ gibt. Es ist ein normaler Vorgang, dass besonders unangenehme Erlebnisse und Erfahrungen aus der Schulzeit im Laufe der Zeit verblassen, Positives tritt dafür in den Vordergrund. Ehemalige Schüler berichten übereinstimmend, dass während der Schulzeit z.T. Freundschaften wuchsen, die über Jahrzehnte die Schulzeit überdauert haben. Trotz mancher Enttäuschungen und persönlicher schulischer Rückschläge, auch verursacht durch Ungerechtigkeiten von Seiten mancher Lehrkräfte, entwickelte sich oft ein positives Gefühl von Gemeinschaft und Solidarität unter den Schülern. In Erinnerung bleiben – neben dem gelernten Unterrichtstoff, der die Basis für eine spätere berufliche Karriere bildete – diejenigen Lehrkräfte, die sich bemühten, den Stoff „ihres“ Faches den Schülern engagiert und glaubwürdig zu vermitteln und die sich um „ihre“ Schüler in besonderer Weise kümmerten. Aber nicht die einzelne, perfekt abgelaufene Unterrichtsstunde oder Unterrichtssequenz bleiben in Erinnerung, sondern die „Höhepunkte“ im Schulleben: Klassenfahrten, Konzertbesuche, Erlebnisse auf Wandertagen, „besondere Zwischenfälle“ im Unterricht und im Schulalltag, hervorstechende Charaktereigen-schaften und „Eigenarten“ von Lehrern und vieles andere, das sich außerhalb des Unterrichts ereignet.

Peter Kersten (2009)

Quellen:
• 75 Jahre Rückert-Schule – Nachforschungen – Erinnerungen – Einblicke, 1984
• Schrittmacher 10, Januar 1989 (Schülerzeitung für Schöneberger Schüler und Schülerinnen)
• Rückert-Oberschule, Die letzten 13 Jahre, Eine kleine Chronik, Oktober 1999
• Rückert-Schularchiv

Wir danken dem Landesarchiv Berlin und Frau Veronika Liebau vom Archiv zur Geschichte von Tempelhof und Schöneberg für die Unterstützung.

Wir danken den Schülern und Schülerinnen des Wahlpflichtkurses Geographie (Klasse 10) unter Leitung von Frau Möller für die aus verschiedenen Archiven zusammengetragenen Materialien zur Schulge-schichte.

 
Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü