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Timeline
Geschichte der Rückert-
Links auf die Bilder klicken für zusätzliche Informationen | Dia-
>> 1909 bis 1933
Am 14. Dezember 1908 beschloss die Stadtverordnetenversammlung in Schöneberg eine vierte Höhere Mädchenschule einzurichten, die am 1. April 1909 zunächst in der Hohenstaufenstraße 49 und dann am Wartburgplatz untergebracht wurde. Sie erhielt später den Namen „Rückert-
Im April 1914 zog die Schule in das heutige – damals neu errichtete – Gebäude an der Raetherstraße 2/3 (heutiger Schulhof). Die Rückert-
Neben dem regulären Unterricht entwickelte die Rückert-
Der Schulbesuch war nicht kostenlos. Die Eltern mussten für ihre Töchter bis zu 240 Mark Schulgeld bezahlen. Zum Vergleich: Ein Gärtner bekam 1908 einen Tagelohn von 5 Mark, der Direktor der Rückert-
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in den 50er Jahren an den Schulen die Lernmittelfreiheit eingeführt. Den Schülern und Schülerinnen wurden die Bücher zur Verfügung gestellt und später eine Zeit lang sogar übereignet. Seit einigen Jahren müssen die Eltern in Berlin einen Eigenanteil an den Kosten für die Lernmittel zahlen. Rückert-
Mit Beginn der 30er Jahre war ein lang erstrebtes Ziel endlich erreicht: Der Ausbau der Rückert-
>> 1933 bis 1945
Der Beginn der Nazi-
Auffallend in dieser Zeit sind auch die vielen Feierstunden an der Rückert-
In dieser Zeit ragt eine Frau durch ihren persönlichen Mut und ihr Bemühen, mit diplomatischem Geschick der Indoktrination entgegenzuwirken, heraus: die Lehrerin Frau Dr. Elisabeth Abegg, die nach ihrer Zwangspensionierung 1941 zahlreichen Verfolgten des Nazi-
Von den neuen politischen Verhältnissen waren vor allem die Schülerinnen und ihre Familien betroffen. Das Bayerische Viertel, ein Wohnviertel rund um den Bayerischen Platz, in dem der Anteil jüdischer Mitbürger besonders hoch lag, gehörte zum Einzugsgebiet der Rückert-
Auf das Video oben klicken. Eine Zeitzeugin erinnert sich an ihre Schulzeit auf der Rückert-
Eine im Schularchiv gefundene Schreibmaschinenseite – vermutlich aus den 50er oder 60er Jahren – listet 17 Namen von Abiturientinnen des Jahrgangs 1932 auf. Verfasser und Zweck der Liste lassen sich nicht rekonstruieren, es könnte sich um die Vorbereitung des 25-
Das letzte Abitur während des Krieges wurde 1943 im Rathaus Schöneberg abgenommen, da die Rückert-
1945 bis 1972
Im zerstörten und zunächst allein von den Russen besetzten Berlin musste das Schulleben neu aufgebaut werden. Bereits Ende Mai 1945 begannen die Aufräumungsarbeiten im alten, im Krieg beschädigten Schulgebäude an der Raetherstraße. Am 1. Juni wurde mit den in Schöneberg verbliebenen Schülerinnen der eigentliche Schulbetrieb wieder aufgenommen. Es musste viel improvisiert werden: Es fehlten Fachlehrer, es gab weder Schulbücher noch Rahmenpläne; der Stundenplan wurde vom Kollegium selbst entworfen. Die Rückert-
Als die Schülerinnen 1945 nach den großen Ferien zum Unterricht zurückkamen, hatten die Lehrer, so gut es unter den damaligen Umständen möglich war, für Lehrstoff gesorgt: aus den Lesebüchern von vor 1933 Texte, Gedichte und Lieder, ferner bewährte deutsche Literatur, fremdsprachliche Lektüren, in Mathematik und den Naturwissenschaften einwandfreie Unterlagen, oft aus Fachbüchern herausgeschnitten. Im Winter 1945/46 gab es dann neue Probleme: Die Heizung war noch nicht wieder in Betrieb und die kleinen eisernen Öfen in den Klassenräumen reichten nicht aus. Da im Lehrerzimmer ein riesiger eiserner Ofen stand, wurden bei großer Kälte im Lehrerzimmer von 8.00 – 18.00 Uhr Klassen nacheinander untergebracht und unterrichtet. Heute ist es kaum vorstellbar, dass Lehrer und Schüler während der Unterrichtsstunden mit Mantel, Mütze und Handschuhen bekleidet waren.
Vorliegenden Dokumenten ist zu entnehmen, dass sich auch die Schöneberger Lehrer dem Entnazifizierungsverfahren durch die Amerikaner unterziehen mussten. Dabei interessierte sich die amerikanische Militärregierung besonders für die etwaige NSDAP-
Zum Schuljahr 1946/47 normalisierte sich – abgesehen von den fehlenden Hilfsmitteln – das Rückert-
Direktor Dr. Hühne, der die Schule von 1945 – 1951 leitete, war für den demokratischen Neuanfang offensichtlich der richtige Mann. Den Schülerinnen, deren Leben sich in den ersten Nachkriegsjahren in einer Atmosphäre der Ungewissheit und der Unruhe abspielte, konnte er einen festen Halt vermitteln. In den Kriegsjahren hatten die Schülerinnen zum Teil Schreckliches erlebt. Auf fast allen Gebieten – so auch auf dem der Bildung – war nach den schlimmen Erfahrungen unter dem Nationalsozialismus eine grundlegende Neuorientierung nötig. Bis 1945 war im Unterricht im nationalsozialistischen Sinne einseitig indoktriniert worden, nun musste besonders in den Fächern Deutsch, Biologie und Geschichte der Lehrstoff von ideologischem Ballast befreit und den Schülerinnen ein offenes, kritisches Weltbild vermittelt werden. Es gab endlich wieder eine freie Diskussion, mit besonderem Gewinn beim neuen Direktor Dr. Hühne, wie sich eine ehemalige Schülerin erinnert.
Anfang Juli 1948 bekam die Rückert-
Auf dem Foto, Aufnahmedatum um 1950, ist am rechten Flügel des RIAS-
Mögen kurz nach dem Krieg auch einige ältere Lehrkräfte noch einen autoritären Unterrichtsstil gepflegt haben und vereinzelt sogar noch von nationalsozialistischem Gedankengut beeinflusst gewesen sein, so setzte doch eine Verjüngung des Kollegiums ein und ab Mitte der 50er gab es eine vorsichtige und schrittweise Liberalisierung des Schulalltags und des Unterrichts, die von den Schülerinnen und Schülern begrüßt wurde und die bis heute nachwirkt. So war ab 1954 die nachträgliche Einsicht in die Abiturarbeiten möglich, 1955 wurde die Verfügungsstunde eingeführt, dann gab es den „Studientag“ für die Oberstufe und 1960 die Auflockerung der starren Sitzordnung zugunsten einer lockeren Gruppierung im Klassen oder Fachraum. Es blieb natürlich nicht aus, dass größere Freizügigkeit von der Schülerschaft bisweilen auch „missverstanden“ wurde. Im Lehrermitteilungsbuch findet sich 1958 die Bemerkung: „Ich bitte die Lehrer, innerhalb der Unterrichtsstunden keine Schüler aus dem Raum gehen zu lassen, damit endlich der Unfug aufhört, dass Lehrer mit ihren Klassen von außen eingeschlossen werden“. Aber auch an Kurioses erinnert man sich sogar in den 60er Jahren noch: Einer Geschichtslehrerin stiegen vor der Klasse regelmäßig die Tränen in die Augen, wenn sie das Thema „Deutsches Kaiserreich“ unterrichtete.
In den 50er Jahren glänzte die Rückert-
Das Abitur 1951 war das letzte, das nach dem 12. Schuljahr absolviert werden konnte. Von nun an waren wieder – wie vor 1938 – 13 Schuljahre zum Erreichen der Reifeprüfung obligatorisch. Die Zeit zwischen 1948 und 1952 brachte für das Schulsystem in der Vier-
1954 kam die erste Ausgabe der Schülerzeitung „hört! hört!“ heraus, die erste Schülerzeitung überhaupt in der Geschichte der Rückert-
Mitte der 60er Jahre wurde nicht nur der Ton in den Beiträgen der Schülerzeitung schärfer, sondern vereinzelt auch in der Schülerschaft, denn die gesellschaftlichen und außenpolitischen Themen und Konflikte jener Jahre – Vietnam-
Die unruhigen Zeiten spiegelten sich nun auch in den Themen der von der SMV („Schülermitverantwortung“) geleiteten Vollversammlungen wider. Es ging jetzt öfter um gesellschaftliche Themen wie z.B. „Geschichte und Bedeutung des 1. Mai“ oder „Studentendemonstration – eine demokratische Erscheinung“. Aber auch Schulleitung und Kollegium setzten sich für den Abbau überholter Konventionen ein: 1968 entfiel für die 11. bis 13. Klasse das „Aufstehen“ der Schüler „bei Eintritt der Lehrkräfte zu Unterrichtsbeginn“, und den Schülern der Oberstufe wurde eingeräumt, in den Pausen nicht mehr unbedingt den Schulhof aufsuchen zu müssen.
Der Abiturjahrgang 1956 war der letzte, der nur aus Mädchen bestand. Von 1951 an stieg die Schülerzahl der Rückert-
>> 1972 bis 2009
Die Vereinbarung der Kultusministerkonferenz zur Neugestaltung der gymnasialen Oberstufe von 1972 führte auch an der Rückert-
Die Wahl von Herrn Rinnert zum Schulleiter leitete 1981 eine ruhige, für viele Jahre positive Entwicklung der Rückert-
Anfang der 80er Jahre platzte die Rückert-
Seit dem Schuljahr 1986/87 gab es für einige Jahre die Möglichkeit, Türkisch als 2. Fremdsprache bis zur 11. Klasse – dort als Basiskurs – zu wählen. Auf Grund der mangelnden Nachfrage wurde dieses Angebot aber wieder eingestellt. Während dieser Zeit bestand ein intensiver und freundschaftlicher Kontakt mit der Deutschen Schule in Istanbul, der zu zahlreichen Austauschfahrten führte.
Im Dezember 1988 streikten etwa zwei Drittel der Rückert-
Die Schülerschaft hatte sich bereits seit Mitte der 80er Jahre intensiver und aktiver in das Schulleben eingebracht, so zum Beispiel durch die Herausgabe von Schülerzeitungen und aufwändig gestalteten Jahrbüchern in eigener Regie sowie durch mehrtägige Projekttage, die vom Kollegium unterstützt wurden. So gab es im März 1991 fundiert vorbereitete Projekttage zum Golfkrieg und zum Nahostkonflikt. Das Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern hatte sich in den vorangegangenen Jahren in erfreulicher Weise entspannt. Einige jüngere Kollegen und Kolleginnen, beeinflusst von den gesellschaftlichen Umbrüchen der 68er-
Das Engagement der Schülerschaft fand 1988 und 1989 auch seinen Niederschlag in zwei sehr erfolgreichen Theateraufführungen unter der Leitung von Frau Mächler, die in der Berliner Lokalpresse ausführlich rezensiert wurden und dazu beitrugen, das positive Bild des Rückert-
Gab es zwischen 1953 und 1968 überhaupt keine Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund an der Rückert-
Das Zusammenwachsen der beiden Berliner Stadthälften nach der Wiedervereinigung beeinflusste auch die Rückert-
Seit 1990 beherbergt die Schule im Rahmen eines bilateralen Staatsvertrages zwischen Deutschland und Frankreich einen deutsch-
In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat sich die Rückert-
Es begann auch die schrittweise Renovierung der Flure, der Aufgänge und der Klassen-
Seit 1993 gibt es den Förderverein „Freunde der Rückert-
Im März 1999 beschloss der Berliner Senat weitere 5. Gymnasialklassen einzurichten. Die Rückert-
Die in den letzten Jahren eingeleiteten Reformen im Berliner Schulwesen haben ein geradezu atemberaubendes Tempo angenommen und alle am Schulbetrieb unmittelbar Beteiligten, Schüler und Kollegen, zum Teil an die Grenze der Belastbarkeit geführt. Auch auf den Unterricht und das Schulleben an der Rückert-
Durch den schwierigen Umstrukturierungsprozess führt seit 2003 Herr Dr. Balke die Schule als Schulleiter. Seit dem Schuljahr 2007/8 hat die Rückert-
Als Folge der Verkürzung der Schulzeit auf 12 Jahre verlagert sich der Unterricht immer mehr in den Nachmittag hinein. Dies stellt eine erhebliche Belastung für die Schülerinnen und Schüler der unteren Klassen dar. Die 10. Klassen des Schuljahres 2008/9 sind der letzte Jahrgang, der noch die Klassenstufe 11 durchläuft und das Abitur nach 13 Schuljahren macht. Im Schuljahr 2010/11 wird dieser 10. Jahrgang im 1. Semester der Oberstufe dann auf die Schüler und Schülerinnen der jetzigen 9. Klassen „treffen“, für die die Klassenstufe 11 ja entfallen ist.
Weitere, in den Auswirkungen noch nicht eindeutig abschätzbare Konsequenzen, werden sich aus der zurzeit in die Wege geleiteten, tief greifenden Umgestaltung der Berliner Schullandschaft ergeben, deren Kernstück die Abschaffung der Hauptschule ist und die die Einrichtung von nur noch zwei Schultypen (Sekundarschule und Gymnasium) vorsieht.
Mag sich Schule auch noch so rasant verändern, sei es durch Strukturveränderungen, die Einführung neuer Unterrichtsmethoden oder neuer Lehrpläne, mögen unsinnige Veränderungen auch wieder rückgängig gemacht werden, so bleibt doch festzuhalten, dass es aus Sicht der hauptsächlich Betroffenen, der Schüler und Schülerinnen, selbst über lange Zeiträume hinweg, erstaunliche Konstanten im Schulleben und im „Schule-
Peter Kersten (2009)
Quellen:
• 75 Jahre Rückert-
• Schrittmacher 10, Januar 1989 (Schülerzeitung für Schöneberger Schüler und Schülerinnen)
• Rückert-
• Rückert-
Wir danken dem Landesarchiv Berlin und Frau Veronika Liebau vom Archiv zur Geschichte von Tempelhof und Schöneberg für die Unterstützung.
Wir danken den Schülern und Schülerinnen des Wahlpflichtkurses Geographie (Klasse 10) unter Leitung von Frau Möller für die aus verschiedenen Archiven zusammengetragenen Materialien zur Schulge-