Die Israelfahrt vom 1. bis 13.Mai 1999


Bitte wählen Sie einen Tagesbericht aus:

 1. Mai  4. Mai  7. Mai  10. Mai  13. Mai
 2. Mai  5. Mai  8. Mai  11. Mai
 3. Mai  6. Mai  9. Mai  12. Mai
 Programm der Fahrt

[Bilderklärung durch Bewegung des Mauszeigers auf das Bild]


Nachdem am 1.Mai alle pünktlich am Abfertigungsschalter des Flugs LH 2340 eingetroffen waren, konnten wir uns ab 8.45 Uhr einchecken; das dann aber nach einer Computerpanne in großer Eile. Trotzdem: Jeder bekam seinen Sitzplatz, und wir starteten kurz vor 10 Uhr Richtung München. Vor der Rückert-OG in Berlin-alle noch mit blassen Gesichtern Das größte Sitzplatzglück hatten Birthe und Elisa, die direkt neben "Peter Strohm" saßen, der sich aber während des ganzen Fluges friedlich verhielt. Nach der Landung auf dem Münchener Flugafen "Franz Josef Strauss" war keine Zeit zu verlieren, und so stürmten wir ohne Zeitverlust direkt zur Abfertigungshalle F 21, um uns gleich in die Maschine LH 688 nach Tel Aviv einzuchecken. Nach gutem Flug und hervorragendem Essen landeten wir gegen 17.00 Uhr ( Ortszeit!) in Tel Aviv. In Rekordzeit passierten wir die Passkontrollen, holten unser Gepäck, tauschten etwas Geld und begaben uns zum Ausgang, wo uns Judith Birke aus Saarbrücken, die Z.Z. ein freiwilliges Jahr im Haus Rutenberg absolviert, empfing. Mit dem Kleinbus ging's nun nach Haifa - bei strahlendem Sonnenschein und dann untergehender Sonne und rasch einbrechender Dunkelheit. Im Haus Rutenberg bezogen wir dann unsere Zimmer, und um 20.00 Uhr hatten wir dann unsere erste Mahlzeit...Und dann: Natürlich! der erste Spaziergang auf dem Central Carmel und der Blick auf die Lichter an der riesigen Bucht von Haifa bis Akko und sogar bis Rosh Hanikra, dem nördlichsten Punkt Israels an der Mittelmeerküste. Das Haus Rutenberg hatte nun auch das überarbeitete Programm für uns parat.---Das versprach spannend zu werden!!




2.Mai:
Nach dem Frühstück ging's per Taxi zuz unserer Partnerschule, der Reali-Schule. Nach der Begrüßung durch die Lehrerin Maly Zengut wurden wir über den Aufbau der Schule und über das israelische Bildungssystem informiert. Ein ausgedehnter Rundgang über das große Schulgelände und durch Fachräume unterschiedlichster Art hatten wir dann ausreichend Gelegenheit, uns mit Schülerinnen und Schülern zu unterhalten und Adressen auszutauschen. Wir konnten auch noch mit weiteren Lehrern sprechen, und kurz vor unserem Abschied begrüßte uns noch der stellvertretende Direktor, Herr Michael Schab, der uns in den Vorjahren empfangen und herumgeführt hat. Nach diesen interessanten Gesprächen über Schule und Politik verließen wir die Reali, um im Haus Rutenberg Mittag zu essen. Nach dem Mittagessen starteten wir unsere Wanderung durch ein Wadi zum Mittelmeer. Wer hätte das gedacht, daß mitten im oberen Zentrum von Haifa ein Wadi, ein Trockental, beginnt, das -als wär' man im Urlaub- hinunterwandern kann, bis man erst unten im Küstenbereich wieder in einem bebauten Stadtteil Haifas ankommt. Es war eine lange Wanderung bei hohen Temperaturen, aber das Baden im Mittelmeer hat dann alle Mühen belohnt. Zurück ging's per Sammeltaxi, da in der Vorsaison (!) dort noch keine öffentlichen Busse fahren. Nach dem Abendessen kam Herr Shlomo Wolkowicz zu uns ins Haus Rutenberg und erzählte uns als Überlebender einen Teil seiner Lebensgeschichte (in Deutschland unter dem Titel "Das Grab" erschienen ) aus der Gegend um Lemberg (damals östliches Polen ), wo von 1939 ab die Sowjets und ab 1941 die Deutschenwüteten. Erschüttert, aber tief beeindruckt von der auf Versöhnung und Aufklärung gerichteten Einstellung und Gesprächsbereitschaft verabschiedeten wir uns gegen 22.00 Uhr von Herrn Wolkowicz mit der bitte, uns bei seinem nächsten Besuch in Berlin zu besuchen, wie es auch schon sein Freund Jacques Stroumsa, Überlebender aus Saloniki, getan hat.




3.Mai: Nach dem Frühstück trafen wir uns im Rutenbergzimmer und Günter Zenner erzählte uns von Pinchas Rutenberg, der in Palästina, später Israel das Elektrizitätswesen aufbaute und dann 1942, da er und seine Frau kinderlos blieben, sein Haus und Geld in die Stiftung Haus Rutenberg einbrachte. Pinchas Rutenberg war russischer Jude, der 1917 in der Februarrevolution in Russland in der Kerenskij-Regierung Energieminister war , dann aber in der Oktoberrevolution von den Bolschevisten verjagt wurde und nach Palästina ging. Spannend erweiterte Günther Zehner seinen Vortrag auf Themen wie: Das Leben in Israel, Jüdische Sitten und Gebräuche, Religionen in Israel und vieles mehr aus dem Alltagsleben in Israel. Um 10.30 Uhr machten wir uns dann mit Günther zusammen auf den Weg zu einer Stadterkundung Haifas. Stadtbummel durch Haifa Natürlich genossen wir zuerst den Blick von der Panoramastraße beginnen und sich hangabwärts bis zum Bahaitempel hinziehen. Durch Straßen und Gassen und durch einen wunderschönen Park, den Skulpturengarten, schlenderten wir bergab bis zum Bahaigarten, den wir uns, ebenso natürlich den Tempel, ansahen, nachdem uns Günther ausführlich über diese Religion informiert hatte. Dann gings weiter bergab . Wieder durch ein innerstädtisches Wadi, nur diesmal in besiedeltem Gebiet. Bald erreichten wir den unteren Teil Haifas, dort, wo die Hafenanlagen sind und auch der große Getreidespeicher, von dem wir im Hecht-Museum noch hören sollten. Der Bahaitempel Nun, hier unten, in der Nähe des Pariser- Platzes war endlich der Zeitpunkt für die erste Falafelpause. Ach, haben hier die Falafel gut gut geschmeckt! Und das für 7 Schekel! Dann kam die nächste Premiere: Eine Fahrt mit dem Carmelit, der einzigen U-Bahn des Nahen Ostens, von der Endstation Carmel Centre, also ganz oben in Haifa. Dort verabschiedeten wir uns von Günter und warteten auf Judith, die uns ja schon bei der Wanderung am Vortag durch das Wadi zum Mittelmeer, um mit ihr im Bus 37 zur Universität von Haifa, die ganz oben auf dem Carmel außerhalb von Haifa liegt, zu fahren. Wir besichtigten zuerst das Hecht-Museum. Was für eine tolle Museumsführerin, die uns mit Witz und Humor die antiken Fundstücke des Museums erklärte und uns so manches Mal, obwohl sie Englisch sprach, zum Lachen brachte. Hecht-Museum: Natürlich nach Herrn hecht benannt, dem Getreidehändler, der in Haifa hat den großen Speicher bauen lassen und der seine wunderbare Sammlung von Ausgrabungsstücken, Gemälden und Stücken zur Geschichte Haifas der Uni Haifa vermacht hat, die damit das Hecht-Museum aufgebaut hat. Na klar: Wir sind auch mit dem Fahrstuhl auf den Turm der Uni Haifa gefahren und haben die unbeschreibliche Aussicht auf dei Bucht, auf das Carmelgebirge und die Yesreel-Ebene genossen. Mit dem Bus ging's dann zurück ins Haus Rutenberg zum Abendessen. Übrigens: Wißt Ihr noch: An diesem Abend fing Lag ba Omer an - mit Freudenfeuern und Grillparties am Strand.




4. Mai:Um 8.30 Uhr fuhren wir in Haifa mit dem Bus los. Unser Ziel war Pequiin, ein gemischt-religiöses Dorf nördlich von Carmiel, also in Obergaliläa. Wir fuhren an Carmiel vorbei (Carmiel ist die Partnerstadt von Berlinb-Wilmersdorf), passierten Neu-Pequiin und fuhren zuerst in den ort hinein, um Ramsia unsere Führerin und Gastgeberin abzuholen. Dann fuhren wir am Moshav Pequiin vorbei und begannen dann mit Ramsia unseren Rundgang. Wir begannen an einer Höhle, in der sich ein berühmter Mann während des Bar Kochba-Aufstands versteckt hatte. Und gerade heute, am Lag ba Omer, waren wir hier! Und weiter ging unser Rundgang zum mittelpunkt des Dorfes mit der Quelle. Unterwegs hatten wir interessante häuser gesehen: eine alte Ölpresse, die Synagoge, die griechisch-orthodoxe und die griechisch-katholische Kirche. Hinweise auf den Drusenfriedhof und auf einige sehr alte jüdische Gräber komplettierten unseren Eindruck von diesem dorf. Dann konnten wir erleben und ausprobieren, was unter "arabischer Küche" zu verstehen ist. Im kühlen Haus und der schönen Terasse von Ramsia sabbagh und ihrer Familie ließen wir es uns von der Vorspeise bis zu Nachspeisen und Tee und Kaffee alles schmecken - und dazu noch interessante Informationen und Gespräche Malenische Straßenszene über das wirtschaftliche und kulturelle Leben in diesem Dorf und als christliche (griechisch-orthodoxe) arabische Familie im nördlichen Israel. - Nach dem Essen fuhren wir zurück in Richtung Akko, und da wir noch etwas Zeit hatten bis zu unserem Treffen mit der Führerin für Akko, fuhren wir erst an den Strand und legten eine kleine Badepause ein - mit dem Blick auf die imponierende Silhouette von Akko und die nicht weniger eindrucksvolle des Carmel-Gebirges mit dem Turm der Universität und den Hochhäusern des Carmel-Centres.- Dann trafen wir uns mit Lehrerin Wuwu, die uns sachkundig durch Akko führte. Was stürmte da nicht alles aus der Geschichte auf uns ein: die Kreuzfahrer, Freidrich II. von Staufen, Saladin, Napoleon... Am Pisanischen Hafenviertel hatten wir unseren Spaziergang begonnen, bummelten durch die arabische Altstadt, gingen durch die Karawanserei und besichtigten, nachdem sich erst einige der Mädchen orientalisch verkleiden mußten, die Al-Jazzar-Moschee, zu dessen Leben und Treiben (und Morden) so einiges zu berichten war.
Nach dem Abendessen trafen wir uns mit Lotti Gelbart. Sie wurde 1919 in Kiel als Tochter einer russischen Mutter und eines deutschen Vaters geboren. Sie hatte noch drei Brüder, und die Familie war religiös aber nicht orthodox. In einer Wohnung in der Mommsenstraße in Charlottenburg bereitete sie sich auf die Auswanderung nach Palästina vor. Im Alter von 14 Jahren kam sie dann nach Palästina und lebte zuerst lange in einem Kibbuz. Anschaulich erzählte sie von den Schikanen der Nazis in Deutschland und von den Schwierigkeiten, die Juden hatten, aus Deutschland herauszukommen und ein Einreisevisum für irgendein Land zu bekommen. Und für Palästina hatten die Briten eine ganz kleine Quote festgelegt. Interessant waren ihre Erläuterungen über die Alija, d.h. die Einwanderung nach Palästina.




5. Mai: Der Tag der christlichen Stätten in Israel! Erst aber mal: Natur pur! Das war so: Kurz nach 7.00 Uhr fuhren wir im Bus los, und heute war Günter unser guide. Zuerst machten wir einen Abstecher ins Taubental. Dann wurden im Wadi Amud, bekannt nach dem turmartigen Felsen, gewandert. Was für tolle Felsformationen und was für interessante Pflanzen. Und, wie angekündigt, sahen wir auch einige Klippdachse. Klippdachse? Na klar, das sind die, die in Psalm 104 erwähnt werden (Psalm 104, Vers 18 : Die hohen Berge geben dem Steinbock Zuflucht und die Felsklüfte dem Klippdachs.).- Auf dem Berg der Seligpreisungen besichtigten Blick vom Golan auf den Kibbuz Enbev wir die Kirche, versuchten die dort auf Lateinisch geschriebenen Seligpreisungen zu übersetzen, hörten auf Günters ausführliche Betrachtungen über Kernideen des uns verbindenden Alten Testaments (10 Gebote!) und Inhalt und Sinn der Bergpredigt, die wir im neuen Testament bei Mattäus (Kapitel 5 bis 7) nachlesen können. Dann machten wir es wie Jesus: "Als er aber vom Berge herabging folgten ihm viel Volks nach" (Matthäus 8,1). Aber nicht ganz: Uns folgte nicht viel Volks nach, denn die meisten Besucher fahren auch wieder mit dem Bus runter und wir gingen auch nicht nach Kapernaum, sondern nach Tabgha, dem Ort der Brotvermehrung. Tabgha - eine Kurzform des griechischen Wortes Heptapegon (=Siebenquelle). Nun verstanden wir auch die Bedeutung des kleinen Brunnens mit den sieben Fischen im Vorhof der Benediktinerkirche, in der wir die herrlichen Fußbodenmosaiken bewunderten. Wir sahen auch das Brotvermehrungsmosaik: ein Brotkorb mit 4 (!) Broten und zwei Fischen, ein Motiv für so manches Souvenir. Vier Brote? Bei Markus im 8. Kapitel heißt es doch in Vers 38: "Jesus aber sprach zu ihnen: Wieviel Brote habt ihr? Gehet hin und sehet! Und da sie es erkundet hatten, sprachen sie: Fünf und zwei Fische." Erinnert Ihr Euch noch an die Erklärung? Übrigens unsere Lunchbox war gut gefüllt, und so konnten wir auf dem herrlichen Geländer der Benediktiner ausgiebig Picknick machen, in einer der 7 Quellen und im See Genezareth baden. (Habt Ihr's beim Nachlesen in der Bibel gemerkt? Natürlich! Die Formulierung "Fünf Brote und zwei Fische" steht bei Markus im 6. Kapitel, Vers 38 in der Geschichte von der Speisung der Fünftausend.) Hochinteressant war auch der Vortrag über das Wirken der Benediktiner in Tabgha.- Mit dem Bus ging's dann weiter an Kapernaum vorbei. Wir umrundeten die Nordspitze des Sees Genezareth, überquerten den Jordan und machten auf dem Golan, hoch überhalb des Kibbuz Ein Gev eine Pause, hörten die Erläuterungen und konnten uns nun vorstellen, wie die Situation für die Kibbuz-Bewohner und für die Fischer auf dem See Genezareth bis 1967 war, als syrische Soldaten immer wieder mal so aus Spaß auf sie schossen. Am Südufer des Sees überquerten wir wieder den Jordan und besichtigten die Taufstelle bei Yardenit und sahen wie das so ist, wenn man sich als Erwachsener im Jordan taufen läßt - so richtig mit Untertauchen.- Abends beschäftigten wir uns mit dem Thema "Geschichte des jüdischen Volkes", zu dem Herr Leder einen Vortrag hielt..




6.Mai:Nach dem Frühstück verließen wir per Bus Haifa in südlicher Richtung, passierten den Ort Atlit, mit dem berühmten Einwanderungsmuseum und fuhren zum Kibbuz Mayan Zwi. Dort führten uns die ehemalige Lehrerin Judith Angress (Jahrgang 1921 aus Gotha, Thüringen) durch den so herrlich auf der Bergkante gelegenen Kibbuz, erläuterte uns die Landwirtschaft (Ackerbau, Rinderzucht und Fischzucht), die in der Küstenebene betrieben wird, und hielt uns dann im ehemaligen Klassenzimmer einen ausführlichen Vortrag über Organisation und Bedeutung der Kibbuzim in Israel und natürlich über ihren eigenen. Nach dem Mittagessen im Speisesaal genossen wir dann noch das Schwimmbad.- Nach dieser wunderbaren Erfrischung ging's weiter: hinauf auf den carmel nach Muhraka. Dort genossen wir die herrliche Aussicht vom Dach der Kirche, Christian las uns aus dem ersten Buch der Könige, Kapitel 18, Verse 19-40 "Das Gottesurteil auf dem Carmel", und danach war nun mal ein Gruppenfoto am Denkmal des Propheten Elias angesagt... Der Rundblick und dann die Weiterfahrt über den Carmel verschafften uns einen guten Eindruck vom "grünen Israel". Interessant war auch unser Bummel im Drusendorf Dalyat el Carmel. Am Abend hatten wir dann unseren Grillabend mit vielen Gesprächen und Liedern.




7.Mai: Nach einem spannenden und mit vielen persönlichen Details versehenen Vortrag von Silvi Behm über Bräuche im Judentum, wanderten wir noch einmal gemeinsam zu der Aussichtsterrasse hinter dem Haus Rutenberg. Am Gedenkstein für den Besuch von Kaiser Wilhelm II. und seiner Frau Auguste Viktoria in Haifa im Jahre 1898 hielt Herr Leder noch mal einen kleinen Vortrag über die Rolle Theodor Herzls und die Entstehung des Zionismus im ausgehenden 19. Jahrhunderts und wie sich Herzl bemühte, den Kaiser für seine Idee einer jüdischen Heimstatt im heiligen Land zu gewinnen. Dann war die Gelegenheit für einen letzten Einkaufsbummel in Haifa, denn morgen sollten wir ja nach Jerusalem weiterfahren. Gegen 16.30 Uhr trafen wir uns im Speisesaal wieder und Günter hielt uns einen Vortrag über den Shabbath und die Vorbereitung darauf. Mit Gitarrenbegleitung übten wir auch die entsprechenden Lieder. Dann machten wir uns auf den Weg zur Leo-Baeck-Schule, in deren (Reform-) Synagoge wir den Shabbath-Gottesdienst und das anschließende Kiddush mitfeierten. Es war interessant, diesen lockeren Gottesdienst in der Pestalozzistraße mit Estrongo Nachama und der anschließenden Bat Mizwa-Feier zu vergleichen. Vor unserem (nun sehr späten) Abendessen sprach und erläuterte Günter uns noch mal das Kiddush, zündete die beiden Shabbath-Kerzen an, brach das (Zopf-)Brot und schenkte den Weinbecher ein.




8.Mai: Abschied von Haifa, Abschied vom Haus Rutenberg und von Judith Birke und von Günter Zenner + seiner Frau Judith. Dann ging's los mit Busfahrer Amran, den wir nun auf allen Busfahrten hatten. Erst fuhren wir durch die Deutsche Kolonie, bewunderten die nun weitgehend restaurierten Häuser der Templer, verließen Haifa, fuhren am Carmel-Gebirge entlang in die Yesreel-Ebene hinein und besichtigten dann in Beth Alpha das imponierende Fußbodenmosaik. Toll war der Film dazu! Nach einer Falafelpause in Jericho hielten wir uns dann am Aussichtspunkt zum Wadi Kelt, Birthe Krüger wo wir Birthe auf ein Kamel setzten, vor allem aber den Blick ins Wadi auf das St. Georgs-Kloster genossen. Und weiter gings bergauf nach Jerusalem. Nach einem Stop auf der Panoramaststraße auf dem Ölberg und dem ersten Blick auf die Silhouette fuhren wir dann zur Jugendherberge HaDavidka, benannt nach der "Davidka", einer kleinen Kanone, die auf der Ecke zur Jaffa Road als Denkmal an den Unabhängigkeitskrieg 1948 steht.- Nach Zimmerverteilung und Verschnaufpause machten wir dann gemeinsam unseren ersten Jerusalembummel: Damaskustor, Beobachten des Lebens und Treibens vor diesem wichtigen Tor der Altstadt, dann durchs armenische Viertel der Altstadt, die wir durchs Neue Tor verließen. Über die Jaffastraße bummelten wir zurück.- Nach dem Abendessen waren wir erstmal im Empfangsbereich der Jugendherberge, wo an die 200 amerikanische Jugendliche fröhlich das Shabbathende feierten, bevor sie dann wegfuhren. Nun kam bald Frau Channah Hintz zu uns und erzählte uns über ihr Leben in Jerusalem. Sie war mit Mann und zwei Töchtern, die inzwischen in Jerusalem das Abitur und den Militärdienst absolviert haben und jetzt studieren, vor 11 Jahren aus Berlin nach Jerusalem ausgewandert. Mit Frau Hintz bummelten wir dann über die Jaffa Road zur Fußgängerzone, um die Ben-Yehuda-Straße herum, wo sich nun alle in das Leben und Treiben nach dem Ende des Sabbats stürzen konnten. Nach dem Treffen an der Eindiele Ecke Yehudastraße bummelten wir gemeinsam zurück - und schon waren alle am ersten Tag in Jerusalem mit den wichtigsten Straßen von und zu unserer Jugendherberge vertraut.




9.Mai: Die Altstadt von Jerusalem! Es führte uns guide Dina Cohn, eine pensionierte Lehrerin, die als Kind mit den Eltern aus Berlin (Leibnizstaße in Charlottenburg) den Nazis entkommen konnte. Unsere Stationen: Jaffator, Armenisches Viertel der Altstadt, wo uns Plakate über Armenien die Gelegenheit gaben, über das türkisch-armenische Verhältnis, den Ersten Weltkrieg und vor allem über Franz Werfels Buch "Die vierzig Tage des Musa Dagh" zu sprechen, Tempelplatz mit Der Felsendom in Jerusalem Al-Aksa-Moschee und Felsendom und Blick aufs Goldene Tor und auf den Ölberg, Vortrag und Diskussion über das Problem der von den Arabern nicht erlaubten Ausgrabungen unter dem Tempelplatz, Löwentor, St.Annen-Kirche, Bethesdateiche, 1. Station der Via dolorosa, Falafelpause am Muristanplatz, Erlöserkirche (Kaiser Wilhelm II. 1898!), Grabeskirche, Spaziergang auf den Dächern des Basars, Jüdisches Viertel mit den Ausgrabungen, Klagemauer, dann durch den arabischen Teil der Altstadt, zurück zum Jaffator, wo wir aber erst noch in den Juwelierladen H.Stern gingen, uns über die Biographie von H.Stern informierten und zum Abschied jeder eine Anstecknadel und einen Stadtplan der Altstadt bekam. Und abends: Na klar: Fußgängerzone Ben Yehuda!




10. Mai: Mit "unserem" Bus und "unserem" Fahrer fuhren wir zur Gedenkstätte Yad Vashem, wo uns Herr Leder führte und uns Erläuterungen gab. Yad Vashem - Gedenkstätte und Informations- und Dokumentationszentrum zum Schicksal der ermordeten Juden - Yad Vashem: ein Denkmal und ein Name - entnommen einem Wort des Propheten Jesaja (Vers 5 im 56. Kapitel) : "...denen will ich in meinen Mauern ein Denkmal und einen Namen geben..." (So spricht der Herr). Nach der Erläuterung des großen Metallreliefs gingen wir durch die Geschichtsaustellung, verweilten dann in der Halle des Gedenkens, suchten und fanden in der Allee bzw. im Hain der Gerechten die Bäume für Roaul Wallenberg und Oskar Schindler, passierten das Gedenkrelief für den Warschauer Ghettoaufstand, verweilten am Denkmal "Güterwaggon", passierten das Tal der Gemeinden, gingen durch das Erinnerungsdenkmal für die ermordeten Kinder, hörten die Erläuterung zum Janusz-Korczak-Denkmal und zum dänischen Fischerboot...
Weitere Stationen an diesem Tag waren noch ein Besuch in der Geburtskirche in Bethlehem und ein Besuch bei der arabischen Familie Mukarker in Beit Jala, einem christlichen Dorf direkt neben Bethlehem. Faten Mukarker, die ihre Lebensgeschichte in Deutschland unter dem Titel "Faten Mukarker - Leben zwischen den Grenzen - eine christliche Palästinenserin berichtet" veröffentlicht hat, erzählte uns ihre Lebensgeschichte und besonders über das heutige Leben dort in Beit Jala. Dem Vortrag folgte eine lebhafte Aussprache, und es wurden noch viele Fragen gestellt. Und dann auch hier: arabisches Essen mit allem, was der Orient zu bieten hat. Auf dem Rückweg setzte uns der Busfahrer am Löwenbrunnen am Rande des Yemin Moshe-Stadtteils ab, so daß wir noch einen weiteren Teil Jerusalems erbummeln konnten: Fußkühlung im Löwenbrunnen, ein Geschenk Deutschlands an Jerusalem 1989, Montefiore-Windmühle, durchs schöne Yemin Moshe-Viertel, König David-Hotel (Ach hat der Orangensaft bzw. der Gemeinschaftseisbecher auf der kühlen Terrasse geschmeckt!), YMCA-Gebäude mit dem herrlichen Anblick über den Unabhängigkeitspark, dann zurück zur HaDavidka!




11.Mai: Zwei volle Tage lagen noch vor uns! Heute erwarteten uns erstmal Begegnungen in Jerusalem, aber auch weite Fußwege. nach dem Frühstück ging's zu Fuß los. Auf der Jaffastraße zum Mahane Yehuda, dem Markt dieses Stadtteils. Hier bummelten wir erst mal eine Weile über den Markt und ließen uns vom Menschengewirr und dem vielfältigten Warenangebot überraschen. So manches Mitbringsel wurde hier noch erstanden. Dann schlenderten wir zur Jugendherberge zurück, deponierten unsere Einkäufe und liefen dann durch das Stadtviertel der orthodoxen Juden, Mea Shearim. Unser nächstes Ziel war das American Colony Hotel, ein architektonisches und historisches Schmuckstück. Die Großen dieser Welt hatten hier schon gegessen, getrunken und genächtigt. Und die Israel-Gruppe 1999 der Rückert-Oberschule sollte hier wenigstens einen Orangensaft in dem herrlich kühlen, mit Pflanzen und Springbrunnen ausgestatteten, Innenhof einnehmen. Gesagt getan! Dann drängte aber die Zeit, und wir hatten noch eine tüchtige Wegstrecke (bergauf!) vor uns. Aber wir schafften es pünktlich zu unserer Verabredung im Gymnasium René Cassin in Ramot Eshkol, gleich am Ammunition Hill, dem Givat ha-Tahmoshet, mit dem Gedenkmuseum für die im Sechstagekrieg 1967 gefallenen israelischen Soldaten. Lehrerin Rochele hatte wieder alles bestens organisiert, und nach einer beiderseitigen Vorstellung der Schülergruppen, der Schulen und einiger Grundinformationen über das Schulsystem, bildeten sich schnell Gruppen mit Berliner und Jerusalemer Schülern, in denen lebhaft diskutiert, Adressen ausgetauscht und die Einladung zu einem Gegenbesuch überbracht wurde.
Besuch in der Schule René Cassin Nach Besichtigung der Schule und des Schulgeländes saßen wir noch lange mit einigen der israelischen Gastgebern vor der Schule.- Da wir noch Zeit hatten bis zu unserer Verabredung auf dem Ölberg, machten wir noch eine Picknickpause auf dem Ammunition Hill und beobachteten die Vorbereitungen für die Vorführungen am Jerusalemtag. Dann aber hieß es: weiter bergauf! Wir hatten noch eine gute halbe Stunde zu laufen, bis wir unser Ziel, das Auguste-Viktoria-Krankenhaus auf dem Ölberg erreichten. Wir besichtigten die Auferstehungskirche, eine Zeugnis wilhelmischer Kirchenarchitektur, mit ihren imponierenden Mosaiken der Neuköllner Mosaikfabrik Puhl&Wagner, die ja auch die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche ausgeschmückt hat. Die Führung durch die Kirche und der Vortrag über das Wirken der evangelischen Kirche in Israel waren hochinteressant. Beeindruckend war dann aber auch der Blick vom Turm. Hier waren wir so ca. auf 870 Meter Höhe, blickten über Jerusalem rüber zum YMCA-Turm, auf dem wir waren, und blickten in die Judäische Wüste und zum Toten Meer, wo wir morgen hinfahren würden, auf eine Höhe von 392 Meter unter dem Meeresspiegel.- Mit Sammeltaxis fuhren wir dann zurück in die Jugendherberge.- Nach dem Abendessen waren wir mit Ester Golan (Jahrgang 1923, aus Glogau/Niederschlesien, nach Beginn des Naziterrors mit Eltern, Bruder und Schwestern nach Berlin, von dort mit der Jugend-Aliya über Schottland/England nach Palästina). Bewegend erzählte sie uns ihr Leben und dabei die Stationen Haifa, Atlit, Kibbuz, dann nach Jerusalem und von ihren Gesprächen mit deutschen Jugendlichen in Israel, aber auch bei vielen Reisen nach Deutschland. Ihre Erinnerungen sind in Deutschland unter dem Titel "Auf Wiedersehen in meinem Land" erschienen. Nach vielen geduldig beantworteten Nachfragen verabschiedeten wir uns von Ester Golan. Beim Abschied schenkte sie uns ein von ihr verfaßtes Gedicht "Begegnung mit dem Anderen".




12.Mai: Um 8 Uhr starteten wir mit "unserem" Bus und guide Dina Cohn zu unserer letzter Tagestour. Wir fuhren aus Jerusalem 'raus und nahmen die Straße Richtung Totes Meer. Wir fuhren an der modernen Entwicklungsstadt Maaleh Adumin vorbei, runter ins Jordantal, sahen unterwegs die Markierung am Straßenrand "Sealevel/Niveau de la Mer" und wußten, nun sind wir unterhalb des Meeresspiegels. Dann bogen wir bald rechts ab und fuhren immer am Toten Meer entlang zu unserem ersten Ziel: Der Bergfestung Massada. Wir passierten den Kibbuz, der die berühmten Ahava-Produkte (Ahava, hbr. Liebe) herstellt. Mit der neuen Kabinenbahn fuhren wir 'rauf nach Massada, sahen uns dort die wichtigsten Ausgrabungen an, so den Palast des Herodes an der Nordspitze des Bergplateaus, machten wir uns ein eigenes Bild von der Römerrampe, über die letztendlich nach mehrjähriger Belagerung die Bergfestung von den Römern eingenommen werden konnte. Aus der "Geschichte des Jüdischen Krieges" von Flavius Josephus lasen wir die Rede des Eleazar, des Führers der jüdischen Verteidiger, mit der er seine über 900 Mitverteidiger vom kollektiven Selbstmord überzeugte, um die Knechtschaft bei den Römern zu vermeiden. Wir ergänzten diese Informationen mit dem Hinweis auf die von Lion Feuchtwanger geschriebene Trilogie "Der Jüdische Krieg", "Die Söhne" und "Der Tag wird kommen", in der er die Lebensgeschichte des Flavius Josephus in spannender Romanform nacherzählt. Dann fuhren wir mit der Kabinenbahn wieder 'runter, bestiegen den Bus und steuerten unser nächstes Ziel an: Ein Gedi (der Steinbockwasserfall). Dinas Erläuterungen zu dieser herrlichen Oase am Rande der Judäischen Berge ergänzten wir mit einem Zitat aus dem Hohen Lied (1. Kapitel, Vers 14) "Mein Freund ist mir eine Traube von Zyperblumen in den Weingärten von Ein Gedi", das über diese blühende Oase in alter Zeit Auskunft gibt. Aber auch im ersten Buch Samuel wir die Höhle von Ein Gedi erwähnt (Vers 24 ff), nämlich in der Geschichte, als David den Saul verschont und ihm statt dessen nur einen Zipfel von seinem Rock abschneidet.- Dann wanderten wir los, an plätscherndem Wasser vorbei bergauf, bis zum Shulamit-Wasserfall, in dessen Wasser wir badeten. Dann stiegen wir weiter bergauf, bis wir den David-Wasserfall erreichten. Ein imponierendes Bild: dieser riesige Wasserfall mit den steilen Felswänden, auf denen man jeden Moment die Gazellen, Steinböcke und Leoparden erwartet, die in diesem Naturpark leben. Und das alles mitten in der Wüste! Der Abstieg ging leichter! Nicht nur daß es bergab ging, nein, auch der Gedanke, jetzt endlich ins Tote Meer zu kommen beflügelte uns. Dann waren wir da! Was für ein Erlebnis. Und es stimmt: Man geht nicht unter, und man kann wirklich im Wasser liegend Zeitung lesen. Toll! Total müde, aber überwältigt von den Eindrücken dieses Supertags, kehrten wir in die Davidka zurück. Jetzt hieß es Koffer packen. Letzte Einkäufe, letzte Fotos... Und dann: die letzte Nacht! Und dann: der letzte Tag!




13.Mai: 2.30 Uhr Aufstehen!
3.15 Uhr Frühstück? April! April! Dafür:
3.30 Uhr Abfahrt
12.20 Uhr Ankunft in Berlin. Wir: Ja! Koffer? Nein! Macht doch nichts! Dafür waren die Eltern da...und Tanten und Onkel...und Großeltern...und Freunde und Freundinnen...und die Geschwister...und Amélie...und Jasna...und...

Das war's! Und, wie war's?
Natürlich:
Joffi toffi!!!!!!!!!!!