Zeitzeugengespräch
- Die Aufarbeitung einer schweren Vergangenheit -
Am Donnerstag, den 19.10.2006,
fand in der Aula für alle 10. Klassen und die Histoire-Géo-Grundkurse des 3.
Semesters ein von Frau Kraft organisiertes Zeitzeugengespräch mit dem
Auschwitz-Überlebenden Werner Bab statt. Es bot uns Schülern die Gelegenheit,
einen direkten und persönlichen Zugang zu diesem Abschnitt der deutschen
Geschichte zu finden.
Der im Jahre 1924 geborene deutsche Jude Werner Bab wurde 1942 nach seinem
gescheiterten Fluchtversuch aus Deutschland, bei dem er der steigenden
antisemitischen Haltung und der drohenden Deportation entgehen wollte, an der
Grenze verhaftet und in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert. Herr Bab
war einer der wenigen, die die Lagerhaft überlebten. Er zog nach seiner
Befreiung zunächst zu seiner Mutter in die USA, bevor er, lange nachdem der
Krieg beendet war, nach Berlin zurückkehrte.
Jetzt - nach rund 60 Jahren des Schweigens - entstand mithilfe von Christian
Ender ein Film, der über Werner Babs Leben erzählt und einen Einblick in die
schweren Umstände der Deportierten gewährt. Diese mehrfach preisgekrönte DVD mit
dem Titel "Zeitabschnitte des Werner Bab" wurde mittlerweile in acht Sprachen
übersetzt und uns Schülern nach dem Gespräch kostenlos zur Verfügung gestellt,
mit der Absicht und der Hoffnung, dass das Wissen um die Wirklichkeit der
NS-Zeit auf diese Weise weiter getragen wird.
Nach der Begrüßung durch Frau Kraft wurde uns in Anwesenheit von Herrn Bab und
Herrn Ender dieser Film gezeigt, um einen ersten Eindruck in das Leben des
Überlebenden zu erhalten. Darauf konnten sich dann die folgenden Fragen der
Schüler stützen.
Das Interesse der Schüler war sehr groß und es wurden viele interessante Fragen
gestellt, die Werner Bab auch alle anschaulich zu beantworten wusste. Zunächst
betrafen die Fragen Werner Bab als Person, seine persönlichen Gefühle und
Gedanken während seiner Gefangenschaft im Konzentrationslager oder auch seine
Beziehung zu den anderen Deportierten. Außerdem wurde er zu seinem Verhältnis zu
Deutschland, nach seiner Rückkehr und heute, befragt sowie zu seiner Ansicht
bezüglich der aktuellen sozialen und politischen Situation in der
Bundesrepublik, in der die rechtsextreme Szene derzeit einen starken Aufschwung
erlebt.
Dank Werner Babs offener, direkter und auch humorvoller Art zu erzählen, kam es
zu einem sehr informativen und spannenden Gespräch, bei dem wohl jeder von uns
Schülern sein Wissen über diese Zeit der deutschen Geschichte bereichern konnte
und sicherlich jeder auf seine Art und Weise etwas von dieser Begegnung
mitgenommen hat.
Die Sammlung der Rückert-Schüler zur Unterstützung der Arbeit des Vereins "imdialog! e.v." ergab 183,30 EURO.
Sarah Yacob, 3. Semester
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Christian Ender, Werner Bab, Frau Kraft (v.l.n.r.) |
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Herr Bab trägt sich in das Gästebuch ein. |
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Photos: PK |