Thüringer Allgemeine vom 20.04.04

Rubrik: Lokales Erfurt

Im Namen der Einheit
Erfurter Edith-Stein-Gymnasium empfängt Schüler aus Berlin-Schöneberg
ERFURT (el).

So ganz ohne Bedenken sind die 21 Schüler des Berliner
Rückert-Gymnasiums nicht nach Erfurt gereist. Skeptisch waren die, aus dem
westlichen Stadtteil Schöneberg stammenden Schüler vor allem in Bezug auf
Toleranz und Oberflächlichkeit. Vorurteile, die es auszuräumen gilt. Diesen
Entwicklungsprozess zu unterstützen, dabei hilft ein seit Anfang 2002 von
Bundespräsident Johannes Rau ins Leben gerufene Schüleraustauschprogramm.
Unter dem Motto Jugend recherchiert Umwelt sollen vor allem ost- und
westdeutsche Schüler einander näher kommen. Insgesamt 100 Schulen wurden
dafür bundesweit ausgewählt. Zusätzlich zu den so entstehenden ersten
Tuchfühlungen beschäftigen sich die 15- und 16-Jährigen alljährlich mit
einem Umweltthema.
Doch bevor es auch in diesem Jahr losging, war ein Klassenzimmer in der
Erfurter Partnerschule (dem Edith-Stein-Gymnasium) gestern das erste Ziel
für die Berliner Schüler. Uschi Benes, die verantwortliche Deutsch- und
Sportlehrerin, hat einen strikt organisierten Wochenplan aufgestellt. Heute
lassen wir es aber erst einmal etwas ruhiger angehen, sagt sie besänftigend
zu ihren Schülern. Jeder soll genügend Zeit haben, sich zuerst mit einem
kleinen Imbiss zu stärken und danach mit seiner Erfurter Gastfamilie
bekannt zu machen.
Der entscheidende Programmpunkt im Laufe der Woche ist dann der
sogenannte Recherchetag. Dieser steht wie jedes Jahr ganz im Namen der
Umwelt. An der Bauhaus Universität in Weimar sollen sich die Neuntklässler
mit dem Thema Energiesparhaus auseinandersetzen. Dabei werden Vorträge
gehört, Überlegungen angestellt und es wird an umweltfreundlichen
Lösungsvorschlägen gearbeitet.
Doch auch die Erfurter Partnerschüler haben sich einiges einfallen
lassen, um den Berlinern die thüringische Landeshauptstadt schmackhaft zu
machen. So soll unter anderem eine eigens von einer Schülerin des
Edith-Stein-Gymnasiums durchgeführte Stadtführung dabei helfen, Vorurteile
ab zu bauen und Berührungsängste in Freundschaften umzuwandeln. Für die
Erfurter Schüler geht es dann ab dem siebten Juni nach Berlin. Zum Thema
Gebäudebrüter in der Großstadt werden sie sich genauso ausführlich mit der
Umwelt auseinandersetzen. Und sicherlich auch die einen oder anderen
Berührungsängste mit den aus vielen Weltnationen stammenden Großstädtern
der Partnerschule abbauen.