Von Gewinnern und Gewinnern

Der Prix des lycéens 2007 – die Rückert-Schule war dabei

 

Von Carolin Benack

 

„Sie sind also der Lehrer der Gewinnerin? Na dann, herzlichen Glückwunsch!“, gratuliert ein rundlicher Herr auf französisch und schüttelt die Hand von Frank August. Drumherum herrscht einiges Gedränge, denn die beiden stehen direkt vor dem Schnittchen-Buffet.
 

Die 17jährige Rückert-Schülerin Rebecca Schmidt füllt gerade ein Formular aus. Sie ist das, was der Mann gerade als „Gewinnerin“ bezeichnet hat. „Repräsentantin“ wäre wohl die angebrachtere Bezeichnung gewesen. Schließlich vertritt sie das Land Berlin beim Prix des lycéens allemands. Insgesamt 3500 Schüler aus ganz Deutschland stellen die Jury des französischsprachigen Jugend-Literaturpreises dar.
 

September 2006: Auf den Tischen des Leistungskurs Französisch der 12. Klasse des Rückert-Gymnasiums liegen je zwei Exemplare von insgesamt fünf verschiedenen Büchern. Innerhalb der nächsten Monate sollen sie alle gelesen, vorgestellt und diskutiert werden.
 

Also machen sich die dreizehn Schüler an die Lektüre. Schnell kristallisieren sich dabei zwei Favoriten heraus: der Science Fiction-Krimi „Felicidad“ von Jean Molla und „Maéstro“ von Xavier-Laurent Petit. Wie sich später herausstellt, ist ersterer auch die erste Wahl der teilnehmenden Französischlehrer.
 

1.März 2007: Kurz nach zehn Uhr morgens nehmen die letzten Zuspätkommer in einem Raum, dessen Namen die Autorin leider vergessen hat, im Roten Rathaus platz. Die nächsten zweieinhalb Stunden werden sie und der Rest des Publikums Zeuge einer Diskussion, die eher an eine länger dauernde Unterrichtsstunde erinnert, unter der Leitung einer Vertreterin des Institut francais. Inhalt sind die fünf zur Wahl stehenden französischsprachigen Jugendbücher, Teilnehmer der Diskussion die Vertreter der Berliner Gymnasien, die die Bücher im Unterricht behandelt haben. Am Ende wird gewählt: einmal das Buch, welches Berlin auf dem Ländertreffen vertreten wird und anschließend der/die RepräsentantIn der anwesenden Schülerdelegation. Ersteres wird „Maéstro“, Zweiteres - wie bereits in der Einleitung beschrieben – Rebecca Schmidt.

Für sie bedeutet ihre Wahl wenige Wochen später Koffer packen, denn sie reist für einen Zeitraum von drei Tagen nach Leipzig, zur Buchmesse. Dort trifft sie mit den Vertretern der restlichen Länder aufeinander, vierzehn an der Zahl. Der aufmerksame und rechnerisch fitte Leser wird sich an dieser Stelle fragen, wo denn das sechzehnte Bundesland in dieser Rechnung geblieben ist. Die Antwort: Brandenburg hat leider nicht teilgenommen.
 

Trotz Abwesenheit dieses schönen Teil Deutschlands im Wettbewerb, fällen die jungen Juroren ihre Entscheidung: „Maéstro“, die Geschichte des jugendlichen Saturnino, der versucht, sich und seine Schwester auf der Straße durchzuschlagen und nebenbei die Schönheit der Musik entdeckt, gewinnt den Prix des lycéens allemands 2007. Sein Autor kann sich über 5000€ und das deutsche Publikum sich auf die demnächst erscheinende Übersetzung freuen.