Zukünftige AbiBac-Absolventen hören Marie
Ndiaye
Dass die französischsprachige Literatur sich nicht nur auf Klassiker wie Flaubert, Balzac und Zola reduziert und bei Camus endet, dessen konnten sich die TeilnehmerInnen der Sciences Politiques-Kurse (Fr. Lauer / Hr. August) selbst überzeugen. Im Rahmen einer Unterrichtsreihe zum Thema 'Aus- und Einwanderung in Europa' hatten sie Gelegenheit an einer Lesung von Marie Ndiaye teilzunehmen, laut FAZ die ungewöhnlichste Schriftstellerin Frankreichs.
Marie Ndiaye, die
seit 2007 mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in Berlin lebt, ist vor zwei
Jahren u.a. für ihren Roman « Trois
femmes puissantes »
(„Drei starke Frauen“) der renommierte franz. Literaturpreis Prix Goncourt
zugesprochen worden. Dieser Roman handelt von drei völlig unterschiedlichen
afrikanischen Frauen, die sich nicht von den Schwierigkeiten des Lebens
unterkriegen lassen und alle eng mit dem Senegal verbunden sind.
Ihr letztes Buch, „Y penser sans cesse / Unablässig daran denken“, in französischer und deutscher Sprache gedruckt, ist in einem kleinen, unabhängigen Verlag in Frankreich erschienen und momentan in Deutschland noch nicht erhältlich. Nur durch die enge Freundschaft des Besitzers der Buchhandlung 'Der Zauberberg' in der Bundesallee, sind wir in den Genuss dieser Buchvorstellung gekommen. Das kleine Buch selbst hat zum Thema das Schicksal der zahlreichen jüdischen Mitbürger Berlins im Zeitraum 1933-1945, an das sich Marie Ndiaye erinnert, wenn sie durch das heutige, neu definierte Berlin schlendert. Aus Sicht eines Kindes, das seiner Mutter viele Fragen stellt, und mit Hilfe von Worten wie Stolpersteine, Berliner Bürgerhaus oder Gleis 17 am S-Bahnhof Grunewald, weckt sie beim Leser / Zuhörer Assoziationen und lässt diese düsteren Seiten unserer Stadt in dem ihr eigenen Schreibstil Revue passieren. Nach der Lektüre des Werkes stellte sich die Autorin den zahlreichen Fragen des Publikums. Dabei wurde deutlich, dass Marie Ndiaye 2007 Frankreich verlassen hat, um u.a. gegen die von Nicolas Sarkozy durchgeführte Politik auf ihre eigene Art zu protestieren.
Die Schriftstellerin
und der Buchhändler diskutierten im Anschluss des offiziellen Teils der Lesung
in deutscher und französischer Sprache sehr angeregt mit unseren SchülerInnen,
die sich von beiden sehr unterschiedlichen Persönlichkeiten angetan zeigten und
viele zusätzliche Informationen
erhielten.
Auch diese Lesung,
die im Zusammenhang anderer Aktivitäten, wie z.B. Cinéfête oder
Austauschfahrten, des deutsch-französischen Bildungsganges zu sehen sind, war
ein voller Erfolg, zeigte sie doch auch auf, dass die französischsprachige
Literatur weiterhin lebendig und spannend ist. Wir danken der Buchhandlung 'Der
Zauberberg' für die Einladung und diesen schönen Abend.
Frank August, für den
deutsch-französischen Bildungsgang
Fotos: Frank August
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| Marie Ndiaye |
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| Rückert-Schülerinnen im Gespräch |