Auf zum „Rendez-vous … littéraire!“

 

Dass die französische Literatur weiterhin sehr aktiv sowie wichtiger Bestandteil der deutsch-französischen Beziehungen ist und sich nicht nur auf Klassiker des 19. und 20. Jahrhunderts reduzieren lässt, davon konnten sich die Schülerinnen und Schüler des Französischleistungskurs,

2. Semester, beim deutsch-französischen Literaturfestival 'Rendez-vous littéraire' ein Bild machen.

 

Wer sind die wichtigen Vertreter der jüngeren Autorengeneration in Frankreich? Wie schreiben sie? Welche Themen behandeln sie?  Über viele Jahre haben die intellektuelle Debatte und die Literatur Frankreichs in Deutschland eine prägende Rolle gespielt. Die Akademie der Künste am Pariser Platz hatte in Zusammenarbeit mit der Französischen Botschaft zu einem dreitägigen deutsch-französischen Literaturfestival eingeladen, an deren Auftaktveranstaltung unseren SchülerInnen teilnahmen.

 

Neben den protokollarischen Begrüßungen und dem anschließenden Podiumsgespräch zum Thema „Deutsche und Franzosen – Fremde, Freunde? Eine Inventur“, bei der die seit Jahren in Berlin lebende französische Journalistin, Pascal Hugue, aber vor allem die für die Arte-Sendung 'Karambolage' verantwortliche Journalistin, Claire Doutriaux, die SchülerInnen durch ihren Witz und Charme überzeugen konnten,  wurde der Abend durch die Lesung der französischen Schriftstellerin, Marie Ndiaye, abgeschlossen.

 

Marie Ndiaye (Frankreich, Jahrgang 1967) lebt seit drei Jahren mit ihrer Familie in Berlin und ist heute eine der wichtigsten Autoren der zeitgenössischen französischen Schriftstellergeneration. 2009 erhielt sie den Prix Goncourt, den wichtigsten Literaturpreis Frankreichs, für den Roman 'Trois femmes puissantes', aus dem sie Passagen vorlas. Der Roman versammelt die Themen, wie: die Familie als Mikrokosmos und Ort der Gewalt, die Einsamkeit des Einzelnen, die zum existentiellen Thema wird, und die Erfahrung der Fremdheit. Doch nicht nur der Inhalt sondern auch das Spiel mit der französischen Sprache erforderte höchste Konzentration des interessierten Publikums. Für einige SchülerInnen war diese Lesung eine Première und interessante Erfahrung zugleich, denn wann bekommt man schon 'mal einen Autoren leibhaftig zu Gesicht, kann seine Stimme hören und dies in unmittelbarer Nachbarschaft von Brandenburger Tor, Pariser Platz und französischer Botschaft?

 

„Der Schriftsteller soll zum Denken, zum Nachdenken anregen, nicht aber seinen Gesichtspunkt durchsetzen wollen; er stelle Fakten, Bilder, Worte und Situationen, Landschaften nebeneinander, die in ihrer Gesamtheit keinen Sinn aufzwingen, sondern Sinn erzeugen.“

(Laurent Mauvignier, frz. Autor und Festivalteilnehmer)

 

Vor diesem Hintergrund wird sich der Französischleistungskurs (LK 09) weiterhin intensiv und kritisch mit frankophonen Kulturschaffenden und deren Produktionen auseinandersetzen, denn die französische Kultur lebt und ist (er)lebbar, auch in dem von Frankreich so weit entfernten Berlin.

 

Frank August Kursleiter (Französisch Lk-09)