Nachlese zur Aufführung des Grundkurses Darstellendes Spiel vom 18. und 23. März 2010
An zwei Tagen präsentierte der Grundkurs 4. Semester Darstellendes Spiel unter der Leitung von Andreas Kling „MORPHIUM – Eine Kabarett-Revuette aus dem Berlin der 20er / 30er Jahre“.
Bei gut besuchter Aula und mit großem Erfolg wurden an beiden Abenden die Darsteller vom Publikum mit viel Applaus und „Zugabe“-Rufen belohnt. Der schnelle Wechsel zwischen gesungenen Liedern und gesprochenen Texten sowie choreographischen Tanzeinlagen und humoristischen Szenen erfreute die Zuschauer und überzeugte von einer guten und wertvollen Arbeit an der Rückert-Schule. Jeder Darsteller kam auf seine Kosten und konnte aus seinem erlernten Repertoire schöpfen, so dass trotz aller Individualität letztlich ein Programm aus einem Guss entstanden ist.
Begonnen hatte die „Revuette“, wie Friedrich Hollaender die in Anlehnung an die „große“ Revue der Fleischbeschau, aber ganz der kleinen Form verpflichtete Form einmal nannte, mit der Ausrufung der Republik durch Philipp Scheidemann 1918. Anschließend traf man sich im Berliner Kabarett „Morphium“, um sich zu amüsieren, sich mit anderen Menschen zu treffen, zu plaudern, das Feierabendbier zu trinken, über den neuesten Tratsch zu lästern, seine geheimen Vorlieben auszuleben, kurz: um dem grauen Alltag der Nachkriegszeit des 1. Weltkriegs zu entfliehen und für wenige Stunden in eine unbekümmerte Welt der Heiterkeit und der Zufriedenheit einzutauchen. Doch die Heiterkeit wirkte nicht lange nach. Denn aufgrund des täglichen Überlebenskampfes jedes Einzelnen und der voranschreitenden Inflation musste schließlich das bis dahin florierende Kabarett schließen; die Personen ziehen mit dem „Emigrantenchoral“ in die Emigration.
Die „Revuette“ zeigte, wie eng Lachen und Weinen beieinander liegen. Meist ertappte man sich selbst, dass man herzlich über die Texte und Chansons lachte, doch blieb einem häufig auch das Lachen im Hals stecken und man erkannte allmählich die Wahrheit der Aussage darin. Letztendlich konnten die Zuschauer auch erkennen, dass die Lieder und Texte noch heute an ihrer Aktualität nicht das Geringste eingebüßt haben, obwohl sie fast 100 Jahre alt sind.
Mit Wehmut denken sicherlich nicht nur die Zuschauer, auch die Darsteller und Herr Kling an die Vorstellungen zurück, mit denen sich das 4. Semester gleichzeitig von der Rückert-Schule verabschiedet hat.
Ich möchte mich bei allen Beteiligten – ob in der Organisation, an der Technik, dem Förderverein, vor und hinter den Kulissen – herzlich bedanken, ohne diese „fleißigen Helferlein“ eine solche Veranstaltung nicht möglich gewesen wäre.
Mein besonderer Dank gilt dem Grundkurs 4. Semester, der auch mir sehr viel Spaß gemacht hat und der mir die zukünftige Arbeit als DS-Lehrer schließlich ermöglicht hat.
Andreas Kling
