Grundkurs DS: MORPHIUM
– Eine Kabarett-Revuette aus dem Berlin der 20er / 30er Jahre
Aufführungen:
Donnerstag, 18. März 2010, 19.00 Uhr
Dienstag, 23. März 2010, 19.00 Uhr in der Aula
Seit August 2008 steht dem Fachbereich „Darstellendes Spiel“ ein weiterer Kollege zur Verfügung. Herr Kling hat sich im Rahmen einer Weiterbildung für das Fach qualifiziert und wird zusammen mit dem Grundkurs 3./4. Semester am Donnerstag, den 18. März 2010 und am Dienstag, den 23. März 2010, jeweils um 19.00 Uhr in der Aula des Rückert-Gymnasiums seine Inszenierung „MORPHIUM – Eine Kabarett-Revuette aus dem Berlin der 20er / 30er Jahre“ präsentieren.
Zum Inhalt:
Berlin 1918. Der Krieg ist aus. Scheidemann ruft
die Republik aus.
Im Berliner Kabarett „Morphium“ treffen sich die Menschen der Zeit. Hierher kommt man, um sich zu amüsieren, sich mit anderen Menschen zu treffen, zu plaudern, das Feierabendbier zu trinken, über den neuesten Tratsch zu lästern, seine geheimen Vorlieben auszuleben, kurz: um dem grauen Alltag der Nachkriegszeit des 1. Weltkriegs zu entfliehen und für wenige Stunden in eine unbekümmerte Welt der Heiterkeit und der Zufriedenheit einzutauchen. In verschiedenen kleinen Szenen, mal gesungen, mal gesprochen, mal getanzt wie sie ihre persönlichen Probleme und Befindlichkeiten meistern.
Der Begriff „Revuette“ ist bei Friedrich Hollaender ausgeborgt, zwar in Anlehnung an die „große“ Revue der Fleischbeschau, aber ganz der kleinen Form verpflichtet: „Literatur, Politik und Satire in eine Form gegossen? Wie hieße diese Form? Revue? Dann müsste es aber eine sein, in der das Fleisch nicht so willig, der Geist nicht so schwach ist.“ Das Ergebnis nennt er „Revuette“. Diese soll ein trotziges Lachen bei zurückgehaltenem Weinen sein. Der DS-Kurs lehnt sich in seiner Revuette daran an, es entsteht eine Art „Collage“, also im Sinne einer Aneinanderreihung verschiedener Bilder und thematischer Aspekte.
Das tägliche Leben ist zwar allgegenwärtig, immer wieder bricht jedoch in den einzelnen Figuren die bittere Realität durch, ohne dass sie sich dagegen wehren könnten. Den Banker plagen die Sorgen um das Geld, das stündlich immer mehr an Wert verliert, das leichte Mädchen braucht für den täglichen Überlebenskampf die Freier, selbst das vordergründig florierende Kabarett mit seinen Künstlern und seinem Besitzer, das verzweifelt auf Kundschaft hofft, steht vor dem Abgrund der rasch voranschreitenden Inflation. Die Figuren versuchen durchweg die bröckelnde Fassade der Amüsiergesellschaft zu wahren, sei es auch noch so bitter und beschwerlich.
Die „Revuette“ soll zeigen, wie eng Lachen und Weinen beieinander liegen. Meist ertappt man sich selbst, dass man herzlich über die Texte und Chansons lachen kann, doch bleibt einem häufig auch das Lachen im Hals stecken und man erkennt allmählich die Wahrheit der Aussage darin. Man bestätigt dieses Gefühl durch zustimmendes Nicken. Darin besteht auch die Parallele zur heutigen Zeit, die eine solche, durch verschiedene Einzelnummern entstehende „Revuette“ gleichermaßen für die Beteiligten und das Publikum interessant macht: immer wieder tauchen Texte und Chansons auf, die an ihrer Aktualität nicht das Geringste eingebüßt haben oder die heutzutage noch aktueller sind als damals, obwohl sie fast 100 Jahre alt sind.
Letztendlich verbindet die Figuren alle das gleiche Schicksal. Da Inflation, Arbeitslosigkeit und Massenelend für viele den Kabarettbesuch zum unerschwinglichen Luxus werden lassen, kommt es, wie es zu dieser Zeit häufig so war: das Kabarett muss aus wirtschaftlichen Gründen schließen. Dazu kommt, dass viele Menschen dieser Kreise, Anhänger des jüdischen Glaubens waren und ständig mit Diskriminierung und körperlichen Angriffen umgehen mussten. Der immer stärker herauf brechende Nationalsozialismus bedeutet für diese Menschen schließlich als letzten Ausweg nur noch die Emigration.
Leitung: Andreas Kling