Podiumsdiskussion am 3.9.09 zur Bundestagswahl 2009

Am 3.9.2009 hatten wir die Freude, fünf Vertreter und Direktkandidaten der Parteien des Bundestages zur zweiten politischen Podiumsdiskussion in diesem Jahr an der Rückert-OS begrüßen zu können.

Die knapp 200 –zumeist- wahlmündigen Schüler, Lehrer und interessierte Eltern konnten eine lebhafte und polarisierende Debatte verfolgen, die dieses Mal auch pünktlich begann.

Aus der teils zerstreuten Diskussion im Vorfeld der Europawahl haben wir unsere Schlüsse gezogen und die sich damals schon bewährte Organisation der Fragen übernommen.
Nachdem wir die ersten Fragen zu Themen wie dem Atomausstieg, Onlinedurchsuchungen und gerechter Besteuerungen gesammelt haben, fingen die Kandidaten auch schon richtig an sich zu positionieren und um die Sympathien der Zuhörer zu werben.

Doch die versprochenen Wahlgeschenke von Parteien aller Couleur wurden nicht einfach dankend angenommen, sondern kritisch hinterfragt, was sogar Politprofis wie Jan Luczak (CDU) und Mechthild Rawert (SPD) in Ausschweifungen flüchten ließ. Ansonsten war das politische Niveau sehr anspruchsvoll.

Auch bei der zweiten Fragerunde ließen sich die Schüler nicht zweimal bitten und fragten selbstbewusst nach Sinn und Zweck von Abwrackprämie, Sekundarschule und Afghanistaneinsatz der Bundeswehr. Dazu bezogen die Repräsentanten aller Parteien klar Stellung und wussten durchaus zu überzeugen und zu polarisieren. Spätestens zu dem Zeitpunkt war das Ganze keine Veranstaltung mehr, die typischerweise in diese Phase des Wahlkampfes gepasst hätte, der bisher eher von Köpfen und Skandalen als von Inhalten geprägt war. Die Debatte entwickelte schon früh eine starke Eigendynamik, so dass wir in den 2 Stunden mit angebrachter Intensität eine Themenpalette, die Bildung, Altersvorsorge, Schuldenabbau, Umweltschutz, soziale Gerechtigkeit und Krisenlösungen umfasste, debattiert haben.

Als Moderator hatte ich die Gelegenheit, zusammen mit Ko-Moderatorin Frau Grubert-Thams, mittendrin zu stecken und auch die Debatten abseits der Mikrophone verfolgen zu können. Teilweise musste ich mir ein Lachen verkneifen, da auch Politiker im Wahlkampf ihre Konkurrenten nicht mit Samthandschuhen anfassen, sondern ihnen vorwerfen „Pudding in der Birne“ zu haben. Sehr wichtig war, sich gegen diese gewieften Berufsstreithähne durchzusetzen, da jeder Einzelne ständig hartnäckig mehr Redezeit forderte. Besonders Frau Rawert zeigte sich diesbezüglich sehr engagiert.

Aus positionstechnischer Sicht bildeten wir, die Moderatoren, eine Arte Grenze zwischen den Lieblingskoalitionen aus CDU (Hr. Dr. Luczak) und FDP (Fr. Senftleben) und den Grünen (mit Fr. Kofbinger), der SPD (Fr. Rawert) und den Linken (Fr.Izgin). Bis auf eine Situation, in der CDU-Kandidat Luzcak sich eigenhändig eines Mikrophons bemächtigte, war die Debatte nicht heiß gelaufen, sondern heiß geführt. Die mitgebrachten Parteibusse, Wahlkampfhelfer (die besonders fanatisch kommentierten) und Mengen von Werbegeschenken (Jojos usw.) unterstrichen die Ernsthaftigkeit und erfreuten die Schüler.

Meiner Meinung nach braucht jede Schule Veranstaltungen dieser Art, um den Horizont der Schüler zu erweitern und den Politikern junge, frische Anregungen zu geben.

Keno Jakob Canzler
Schüler der 12.Klasse