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 Programm der Fahrt

 

 

Unsere Israelfahrt  vom l. bis zum 16.4.2000 

Am Abend des l. Aprils trafen wir uns an der Rückert-Schule, um mit einem Bus nach München zu fahren, nachdem die Lufthansa den ersten Frühflug nach München gestrichen hatte. Es waren alle da und punkt 22.00 Uhr ging's mit dem bequemen Bus los, der uns in flotter Fahrt zum Münchener Flughafen Franz Josef Strauss brachte. Wir waren schon kurz vor 5 Uhr dort -und das bei -2 Grad Außentemperatur! Nach einem längeren Aufenthalt im zentralen Bereich setzten wir uns nach 7 Uhr wieder in Marsch zum Abfertigungsgebäude F 21. Nach problemlosem Abfertigen flogen wir dann gegen 10.00 los. Nach einem angenehmen Flug, bei dem es nur einen Schock gab, nämlich die Mitteilung des Kapitäns:" Temperatur in Tel Aviv: 34 Grad!" landeten wir auf dem Flughafen Ben Gurion, passierten problemlos die Passkontrolle, freuten uns, dass auch alle Koffer da waren, und merkten beim Verlassen des Gebäudes, dass es hier in der Tat "etwas" wärmer war als in München. Aus dem Haus Rutenberg war Zivi Paul (aus Essen) gekommen und dann fuhren wir auf der Küstenstraße nach Haifa. Wie auch alle früheren Rückert-Gruppen bezogen auch wir die Regenbogen"Baracke". Schnell waren die Zimmer verteilt, und vor den Abendessen war noch Zeit für einen ersten Spaziergang auf der Panorama-Straße entlang zum Central Carmel. Nach dem Essen saßen wir noch lange nachdem uns auch Silvi Behm, die Leiterin der deutschsprachigen Abteilung von Rutenberg begrüßt hatte, zusammen - natürlich draußen. Es wurde Gitarre gespielt, gesungen und natürlich das überarbeitete Programm studiert:

 

 

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3. April: Nach dem Frühstück begrüßte uns Silvi Behm, die Leiterin der deutschsprachigen Abteilung des Rutenberg-Instituts in der Bibliothek des Hauses (Das Pinchas-Rutenberg-Zimmer war leider wegen Renovierungsarbeiten gesperrt.) und erläuterte uns, ausgehend von der Geschichte vom Turm von Babylon und der babylonischen Sprachverwirrung, die Tätigkeitsbereiche im Haus Rutenberg. Nach dieser Einführung hielt Micha Hanan, der Institutsdirektor einen Vortrag über Geschichte und Tätigkeiten des Hauses Rutenberg und erwähnte die besondere Verbundenheit der Familie Rutenberg mit dem Institut. So ist in der 4. Generation David Rutenberg mit dem Institut verbunden. Pinchas Rutenberg war de Mann, der in Palästina, später Israel, das Elektrizitätswesen aufbaute und dann 1942, da er und seine Frau kinderlos blieben, sein Haus und Geld in die Stiftung Haus Rutenberg einbrachte. Pinchas Rutenberg war russischer Jude, der 1917 in der Februarrevolution in der Kerenskij-Regierung Energieminister war, dann aber in der Oktoberrevolution von den Bolschewisten verjagt wurde und nach Palästina ging. Nach diesem spannenden Vortrag, in dem Micha Hanan auch seinen -uns wohlbekannten- Lehrer Jizchak Schwersenz erwähnte, den er als Lehrer an der Reali-Schule hatte, machten wir uns zu unserer ersten Stadterkundung Haifas auf. Zusammen mit Zivi Paul, der uns an den markanten Stellen Geschichte und Architektur Haifas erklärte, schlenderten wir zur Panoramastraße, genossen die Aussicht, dann durch den Skulpturengarten hinunter zum Garten und Tempel der Bahai. Dann ging's weiter bergab - weiter durch ein innerstädtisches Wadi, bis wir die Unterstadt Haifas erreichten und uns ausführlich die inzwischen weitgehend restaurierten Häuser der Deutschen Kolonie ansahen. Am großen Getreidespeicher, von dem wir im Hecht-Museum noch hören würden, vorbei erreichten wir den Paris-Platz, in dessen Nähe wir die erste Falafel-Pause einlegten - und das für 7 Schekel! Nun kam die nächste Premiere eine Fahrt mit der Carmelit,der einzigen U-Bahn des Nahen Ostens, die aber eigentlich eine Bergbahn (im Tunnel) ist. Von der Talendstation Paris-Platz fuhren wir zur Bergendstation Carrnel Center, von wo wir per Bus zur Universität Haifa fuhren. Gabi, ein pensionierter Banker führte uns durch das Hecht-Museum, das nach Herrn Hecht benannt ist, dem Getreidehändler, der in Haifa den großen Getreidespeicher bauen ließ und der seine wunderbare Sammlung von Ausgrabungsstücken, Gemälden und Stücken zur Geschichte Haifas der Uni vermachte, die damit das Hecht-Museum einrichtete . Dann sind wir mit dem Fahrstuhl auf den Turm der Uni gefahren und genossen -trotz der nicht ganz klaren Sicht- die wunderbare Aussicht auf die Bucht, das Carmel-Gebirge und die Yesreel-Ebene. Mit dem Bus ging's dann zurück ins Haus Rutenberg zum Abendessen. Nach dem Abendessen trafen wir uns mit Lotti Gelbart. Sie wurde 1919 in Kiel als Tochter einer russischen Mutter und eines deutschen Vaters aus Böhmen geboren. Sie hatte noch drei Brüder. Die Familie war religiös, aber nicht orthodox. In einer Wohnung in der Mommsenstraße in Charlottenburg bereitete sie sich zusammen mit anderen Jugendlichen (Das war eine Initiative der Rabbinerfrau Recha Freya.) auf die Auswanderung nach Palästina vor. Mit 14 Jahren kam sie dann ins Land und lebte zuerst lange in einem Kibbuz. Anschaulich erzählte sie von den Schikanen der Nazis in Deutschland und von den Schwierigkeiten der Juden, aus Deutschland herauszukommen und ein Einreisevisum für irgendein Land zu erhalten. Und für Palästina hatten ja die Briten eine bestimmte Quote festgelegt. Hoch interessant waren auch ihre Schilderungen über ihr Leben im Kibbuz, über die Jahre 1937/38, die Zeit der großen jüdisch-arabischen Auseinandersetzungen, und über die verschiedenen Einwanderungswellen.

 

 

 

 

4. April: Nach dem Frühstück fuhren wir mit dem Bus 37 vom Carmel Center zu unserer Partnerschule, der Reali-Schule. Es empfing uns Michael Schab, der über viele Jahre hinweg für unsere Betreuung in der Reali gesorgt hatte, und gleich darauf kam auch Maly Zengut, die wie im Vorjahr unser Besuchsprogramm organisiert hatte. Wir machten einen ausgedehnten Rundgang über das große Schulgelände, zu den Sportanlagen und Fachräumen, nahmen am Unterricht teil, wobei es Lehrerin Tovar Ras schnell gelang, die Rückert-Schüler mit einzubeziehen. Sehr intensiv waren die Gespräche zwischen Rückert- und Reali-Schülern, die auf dem Rundgang, aber auch bei so einigen privaten Verabredungen während der folgenden Tage fortgesetzt wurden. Erstmals besichtigten wir diesmal auch das Militärinternat neben der Reali-Schule. Eine Offizierin zeigte uns das Gelände und erläuterte uns den Bildungs- bzw. Ausbildungsgang der Jungen und Mädchen, die in Hinblick auf eine Laufbahn in der Armee dieses Internat besuchen.- Mit dem Bus ging's zurück zum Carmel Center und nach einer Falafelpause starteten wir unsere Wanderung durch ein Wadi hinunter zum Mittelmeer. Wer hätte das gedacht, daß mitten im oberen Zentrum von Haifa ein Wadi, ein Trockental beginnt, das man, als wäre man im Urlaub, jetzt im April im üppigen Grün hinunterwandern kann bis man erst unten im Küstenbereich wieder in einem bebauten Stadtteil Haifas ankommt. Es war eine lange Wanderung, aber das Baden im Mittelmeer am Camel Beach hat dann alle Mühen belohnt. Nach dem Abendessen kamen dann Lehrerin Tovar Ras mit ihren beiden Kindern und einigen Schülerinnen und Schüler der Reali zu uns, und wir setzten unsere Gespräche vom Vormittag fort.

   

 

 

5. April: Natur - christliche Stätten - Golan. Nach dem Frühstück ging es mit einem eigenen Bus los, und wir fuhren zuerst ins Wadi Amut, benannt nach einem turmartigen Felsen. Wir wanderten dort und sahen, wie angekündigt, einige Klippdachse. Das sind die, die schon in der Bibel, in Psalm 104, Vers 18 erwähnt werden ("Die hohen Berge geben dem Steinbock Zuflucht und die Felsklüfte dem Klippdachs"). Auf dem Berg der Seligpreisungen besichtigten wir die Kirche, versuchten dort die auf Lateinisch geschriebenen Seligpreisungen zu übersetzen und diskutierten über die von Herrn Leder und Herr Michalek vorgetragenen Kernideen des Alten Testaments (10 Gebote!) und Inhalt und Sinn der Bergpredigt, die wir im Neuen Testament bei Matthäus (Kapitel 5-7) nachlesen können. Dann machten wir es wie Jesus: "Als er aber vom Berge herabging, folgte ihm viel Volks nach" (Matthäus 8,1). Doch uns folgte nicht viel Volks nach, denn die meisten Besucher fahren auch wieder mit dem Bus runter und wir Zum Vergrößern bitte klicken gingen auch nicht nach Kapernaum, sondern nach Tabgha, dem Ort der Brotvermehrung. Tabgha ist eine Kurzform des griechischen Wortes Heptapegon (= Siebenquelle). Deshalb verstanden wir später auch die Bedeutung des kleinen Brunnens mit den sieben Fischen im Vorhof der Benediktinerkirche, in der wir dann die herrlichen Fußbodenmosaiken bewunderten. Wir sahen auch das Brotvermehrungsmosaik: ein Brotkorb mit (4!) Broten und zwei Fischen - ein Motiv für so manches Souvenir. Vier Brote? Bei Markus im 6. Kapitel heißt es doch im 38. Vers: "Jesus aber sprach zu ihnen: Wie viel Brote habt ihr? Gehet hin und sehet! Und da sie es erkundet hatten, sprachen sie: fünf und zwei Fische." Übrigens: Unsere Lunchbox war gut gefüllt, und so konnten wir auf dem herrlichen Gelände der Benediktiner ausgiebig Picknick machen und im See Genezareth baden. Interessant war der Vortrag von Meinhardt, der seit einigen Monaten Leiter dieser segensreichen Einrichtung ist, über das Wirken der Benediktiner im Heiligen Land und besonders hier in Tabgha.- Mit dem Bus ging's dann weiter an Kapernaum vorbei. Wir umrundeten die Nordspitze des Sees Genezareth, überquerten den Jordan und machten auf dem Golan, hoch überhalb des Kibbuz En Gev eine Pause, hörten am Aussichtspunkt Shalom die Erläuterungen und konnten uns nun vorstellen, wie die Situation für die Kibbuzbewohner und für die Fischer auf dem See Genezareth war bis 1967 war, als syrische Soldaten aus Spaß immer wieder auf sie schossen. Dann fuhren wir mit dem Bus die Serpentinenstraße Richtung jordanisch-israelische Grenze hinunter, passierten den Kibbuz Gabriel, wo Clinten, Rabin und König Hussein das Friedensabkommen unterzeichnet hatten, überquerten nun wieder den Jordan und besichtigten die Taufstelle bei Yardenit und sahen einmal, wie das so ist, wenn man sich als Erwachsener im Jordan taufen lässt - so richtig mit Untertauchen! Nach dem Abendessen kam Herr Shlomo Wolkowicz zu uns ins Haus Rutenberg und erzählte uns als Überlebender einen Teil seiner Lebensgeschichte (in Deutschland unter dem Titel "Das Grab" erschienen). Er stammt aus der Umgebung von Lemberg (damals östliches Polen), wo von 1939 an die Sowjets und von 1941 an die Deutschen wüteten. Erschüttert über das, was Menschen anderen Menschen antun können, aber auch beeindruckt vom mehrfachen Wunder seines Überlebens und seiner auf Versöhnung und Aufklärung gerichteten Einstellung und Gesprächsbereitschaft sprachen wir noch lange mit Shlomo Wolkowicz und wiederholten die Bitte, uns bei seinem nächsten Besuch in Berlin in der Rückert-Oberschule zu besuchen so wie es Jaques Stroumsa getan hatte, den wir nun in ein paar Tagen in Jerusalem wiedertreffen würden.

 

 

 

 

6. April: Nach dem Frühstück verließen wir Haifa per Bus in südlicher Richtung, passierten den Ort Atlit mit dem berühmten Einwanderungsmuseum und fuhren zum Kibbuz Ma'ayan Zvi. Dort führte uns die ehemalige Lehrerin Judith Angress (Jahzgang 1921, aus Gotha in Thüringen) durch den so herrlich auf der Bergkante gelegenen Kibbuz, erläuterte uns die Landwirtschaft (Ackerbau, Rinderzucht, Fischzucht), die in der Küstenebene betrieben wird und hielt uns dann in einem ehemaligen Klassenzimmer einen Vortrag über Organisation und Bedeutung der Kibbuzim in Israel und natürlich über ihren eigenen Kibbuz. Beindruckend war auch wieder das Naturkundekabinett mit den vielen (ausgestopften) Tieren, das Judiths Mann Shimon aufgebaut hatte und von vielen Schulklassen der Umgebung besucht wird. Das Mittagessen nahmen wir im Speisesaal des Kibbuz ein.

Dann fuhren wir mit dem Bus weiter zum Eliasberg (Muhraka). Leider war der Klosterkomplex geschlossen, so dass wir nicht auf das Dach der Kirche konnten und auch nicht das traditionelle Gruppenfoto am Eliasdenkmal machen konnten, aber trotzdem: Eine beeindruckende Landschaft dort oben auf dem Karmel. Wieder gab es eine Premiere: Zum ersten Mal besuchte eine Rückert-Gruppe Kfar Tikva, eine dorfähnliche Siedlung mit Landwirtschaft und Kleinindustrie, in der behinderte Menschen zusammenleben, arbeiten, ihre Freizeit gestalten und (natürlich unauffälliger und angemessener als in einem Krankenhaus oder gar in einer geschlossenen Anstalt) betreut und medizinisch versorgt werden, In einer großen und ausführlichen Gesprächsrunde erläuterten uns der bisherige Leiter der Einrichtung, Herr Perez Revesz, der heute seiner 84. Geburtstag beging, und Günter Genner, der seit wenigen Wochen amtierende Leiter und einige Betreuer, darunter auch Zivis aus Deutschland, diese Einrichtung. Dabei waren auch die Gespräche mit Bewohnern von Kfar Tikva überaus wertvoll. Bei einem Rundgang durch dieses Dorf gewannen wir einen Einblick in die Situation der Bewohner. -Aber es stand noch ein Programmpunkt an. Wir besuchten Yair Bunzel und seine drei Söhne (Seine Frau Marie sahen wir gerade noch, als wir mit dem Bus wieder wegfahren wollten) in Kiryat Tivon. Yair Bunzel war mehrmals Guide bei früheren Rückert-Gruppen. Er zeigte uns das Haus, wir genossen Getränke und Kekse im Garten und gewannen einen Einblick, wie eine israelische Durchschnittsfamilie in einem grünen Städtchen auf dem Karmel, aber in Sichtweite von Haifa lebt. - Den Abend beschlossen wir auf dem Gelände vom Haus Rutenberg mit einem tollen Grillabend.

   

 

 

7. April: Bevor wir in unseren Bus zur Fahrt nach Akko und Pequiiiz stiegen, verabschiedeten wir uns von SiIvi Behm und dankten ihr herzlich für die Vorbereitung der Fahrt und für die Betreuung während unseres Aufenthaltes, denn heute Abend ist Shabbatanfang und morAbschied von Silvi Behm vor der Fahrt nach Akko und Pequiingen würden wir Silvi nicht sehen. Dann ging's los. Auch heute war Paul dabei, der uns sachkundig durch Akko führte und die Geschichte der Stadt erläuterte. Premieren für uns: erster Bummel durch einen arabischen Altstadtbasar (Generalprobe für Jerusalem), erster Besuch in einer Moschee. Dann fuhren wir mit unserem Bus durch das grüne Obergalliläa. Unser Ziel war das gemischt-religiöse Dorf Pequiin. Wir fuhren zuerst zur Familie Sabbagh, wo wir zum Mittagessen verabredet waren. Hier genossen wir erstmal optisch und dann wirklich, was die arabische Küche so alles auf den Mittags- bzw. Kaffeetisch bringen kann. Nach dem Essen hielt uns Ramsia einen Vortrag über das Leben in diesem Dorf, in dem christliche und moslemische Araber und Juden leben. Ein Bummel durch das Dorf veranschaulichte alles, so sahen wir auf dem Weg zur eingefassten Quelle, den Mittelpunkt des Dorfes , eine alte Ölpresse , die Synagoge , und die griechisch-orthodoxe und die griechisch-katholische Kirche. Hinweise auf den Drusenfriedhof und auf einige sehr alte jüdische Gräber komplettierten unseren Eindruck. Natürlich sahen wir auch die Höhle, in der sich Shimon Bar Jochai während des Bar Kochba-Aufstands versteckt hatte. - Am Abend besuchten wir den Gottesdienst in der Synagoge der Leo-Baeck-Schule. Wir liefen dorthin, nahmen Brot und Wein mit und feierten nach dem Gottesdienst, der sich deutlich von dem in der Synagoge in der Pestalozzistr. unterschied, mit den anderen Gottesdienstbesuchern, darunter sehr viele Jugendliche, das Kiddush zum Shabbatbeginn.

   

 

 

8. April: Abschied von Haifa! Nach dem Frühstück verabschiedeten wir uns von Paul und dankten ihm für seine Hilfe und Unterstützung. Dann brausten wir los! Auf der Via Maris der Küstenstraße ging's in flotter Fahrt nach Caesarea. Auf einem langen Rundgang besichtigten wir die imposanten Heinz Wollmann im Café London Ruinen bzw. Ausgrabungen aus osmanischer, Kreuzfahrer-, vor allem aber Römerzeit . Dann ging's weiter nach Tel Aviv, denn wir hatten eine Verabredung im Cafe London auf der Strandpromenade von Tel Aviv. Allen Beteuerungen von Herrn Leder zum Trotz, daß das Cafe London auf der Strandpromenade, gegenüber vom Hotel Sheraton liegt, fuhr der Busfahrer uns durch das (fast) menschenleere Tel Aviv und suchte in der Innenstadt ein Cafe London. Nach vielen Überredungen konnten wir ihn dann endlich zur Strandpromenade dirigieren. Dort erwartete uns schon Heinz Wollmann zusammen mit Tochter und Schwiegersohn. Er hatte schon für uns alle einen langen Tisch reservieren lassen. Das war gut so, denn die Strandpromenade mit all ihren Restaurants, Cafes usw. und natürlich der Strand selbst, waren heute (Shabbat!) so voll, wie das Strandbad Wannsee an einem Hochsommertag. Nachdem uns Herr Wollmann zu Essen und Trinken eingeladen hatte und am Tisch aus seinem Leben erzählte (Er ist 1920 geboren, stammt aus Frankfurt/Oder, wurde in der Pogromnacht 9.November 1938 in der Wohnung seiner Eltern beim Versuch die Mutter vor prügelnden SS-Männern zu schützen, zusammengeschlagen und ins KZ Sachsenhausen (Oranienburg) gebracht, wo er die Misshandlungen nur durch von Pastor Martin Niemöller eingeschmuggelte Medikamente überlebte. 1939 gelang es der Familie, Deutschland zu verlassen.) stürzten sich alle Schülerinnen und Schüler in die Fluten des Mittelmeeres. - Am späten Nachmittag fuhren wir dann weiter zu unserem Zwischenquartier, dem Kibbuz Gal'On, im schönen (landschaftlich und landwirtschaftlich) Lachish-Gebiet. Wir genossen die ländliche Ruhe, das satte Grün der Umgebung und natürlich den Komfort der Kibbuz-Gästehäuser und das Essen in dem kleinen, aber feinen Speisesaal.

 

 

 

9. April: Ein Vormittag der Entspannung! Zum Mittagessen fuhren wir zum nicht weit entfernten Kibbuz Kfar Menachem, einem traditionellen Ziel der Rückert-Gruppen. Es begrüßte uns der frühere Berliner Yoel Darom, der sich nach dem Tode unseres alten Freundes Kutti SaIinger (aus Neukölln) bereiterklärte, die diesjährige Rückert-Gruppe zu führen. Wir begannen mit einem gemeinsamen Mittagessen im Speisesaal, und dann zeigte uns Yoel "seinen" Kibbuz mit den Wohnhäusern, dem Schulkomplex und den Konzertsaal, in dem er uns die Organisation des Kibbuz und seine wirtschaftliche Grundlage erläuterte. Hoch interessant war auch die Führung durch den Museumskibbuz durch Jochen, einen alten Mann aus Leipzig, der uns nicht nur diese Urzelle des Kibbuz vom Ende der 30er Jahre (mit Wachturm, Palisadenzaun, Speisesaal mit dem Radio, Kinderhaus usw.) zeigte, sondern auch sehr interessant über das jüdisch-arabische Verhältnis - hier: auch in den 30ger und 40er Jahren ein Nebeneinander und auf wirtschaftlicher Ebene auch Miteinander) berichtete.

Nach unserer Rückkehr nach Gal'On gab's dann noch ein Fußballspiel mit vielen Toren, in dem sich die Rückert-Schüler und -schülerinnen (!) sehr tapfer schlugen.

 

 

 

10. April: Auf nach Jerusalem! Wir fuhren mit dem Bus von Gal'On los, kamen am Museum der Panzerstreitkräfte und am Kloster Latrun vorbei und kamen über die große Verbindungsstraße Tel Aviv-Jerusalem in die Heilige Stadt. Unser Bus brachte uns gleich ins Beth Shmuel. Wir waren die erste Rückert-Gruppe, die in diesem Gästehaus, nur 5 Minuten von der Altstadtmauer und dem Jaffator entfernt wohnte. Wir hielten Abschied von Yoel Darum/Kfar Menachem uns nur kurz auf, brachten unser Gepäck in die Zimmer und fuhren dann gleich mit dem Bus weiter zur Rene Cassin Scnule. Wie in den letzten Jahren hatte Lehrerin Rocheli ein Besuchsprogramm für uns zusammengestellt. Eine bunt gemischte Schülergruppe und auch wieder Lehrerin Aliza Livnat erwarteten uns zum Gespräch in einem Klassenraum, wo wir aber zuerst von der stellvertretenden Schulleiterin Rina Paul begrüßt wurden. Auch hier wurde lebhaft diskutiert - in der Schule, vor der Schule und auf dem Weg zu dem kleinen Einkaufszentrum in diesem Stadtteil Ramot Eshkol, wo wir eine Falafelpause einlegten. Erfreulich auch hier: An einigen folgenden Abenden trafen sich Rückert- und Cassin-Schüler zu gemeinsamen Aktivitäten.- Vom Stadtteil Ramot Eshkol liefen wir nach Hause, um dann um 13.00 Uhr unser erstes Abendessen im Beth Shmuel einzunehmen. - Nach dem Abendessen kam Channah Hintz zu uns und erzählte uns über ihr Leben in Jerusalem. Sie war mit Mann und zwei Töchtern, die inzwischen in Jerusalem das Abitur, den Militärdienst und auch das Studium absolviert haben, vor 12 Jahren aus Berlin nach Jerusalem ausgewandert. Mit Frau Hintz bummelten wir dann über die Jaffa Straße zum Zionsplatz und zur Yehuda Straße - und schon konnte die Rückert-Gruppe 2000 das Leben und Treiben in der Fußgängerzone erleben.

   

 

 

11. April: Die Altstadt von Jerusalem unter Führung von Jerusalem-Kenner Wolfgang Leder! Yaffa-Tor, Abholen von Stadtplänen bei H. Stern, Armenisches Viertel, Jüdisches Viertel, Blick zum Ölberg, Nanu? Der Tempelplatz ist geschlossen? Dann erst weiter zur Klagemauer. Dort langes Verweilen und Beobachten. Zurück zum jüdischen Viertel, Wanderung durch den Cardo, Grabeskirche, Muristan, Erlöserkirche, Falafelpause, dann das erste "Eintauchen" in den Altstadtbasar; durch das Jaffa-Tor verließen wir die Altstadt, weil wir um 16.00 Uhr mit Ester Golan (bei ihr zu Hause) verabredet waren. Wir kamen auch pünktlich bei ihr in der Ussischkin Str. an. Und dann erzählte sie uns aus ihrem Leben. (Sie wurde 1923 geboren und wuchs in Glogau/Niederschlesien auf, zeigte uns Fotos ihres Elternhauses mit dem Geschäft ihrer Großeltern. Nach Beginn des Naziterrors ging sie mit Eltern, Bruder und Schwester nach Berlin. Von dort gelangten die drei Kinder mit der Jugend-Aliyah nach England bzw. Schottland und von dort später nach Israel, um dann lange nach dem Krieg zu erfahren, daß der Vater in Theresienstadt und die Mutter in Auschwitz ermordet worden waren. Sie erzählte aus ihrem Leben in Haifa, in Atlit, im Kibbuz und in Jerusalem - und von ihrer inzwischen großen Familie. Und sie erzähle von ihren vielen Gesprächen mit deutschen Jugendlichen in Israel bzw. bei ihren Besuchen in Deutschland. Ihre Erinnerungen sind in Deutschland unter dem Titel "Auf Wiedersehen in meinem Land" erschienen. Schüler und Schülerinnen stellten viele Fragen, worüber sich Frau Golan lobend freute, so daß sie ihren Vortrag und ihre Antworten noch auf das Thema "Jüdische Gebräuche, Traditionen und Identität" erweiterte, dabei auch über die Verwandheit der hebräischen Worte;Begriffe "Mutter" (em), Volk" (uma) und "Glauben" (emona) sprach und dadurch der diesjährigen Rückert-Gruppe sehr viele Kenntnisse und Einsichten und Anregungen zum Nachdenken mitgab.

   

 

 

12. April: Der Tag unseres Besuches in Yad Vashem und unseres Treffens mit Jacques Stroumsa. Gegen Mittag fuhren wir mit dem Linienbus l8 nach Yad Vashem:- Gedenkstätte und Informations- und Dokumentationszentrum für die ermordeten Juden. Yad Vashem - ein Denkmal und ein Name entnommen einem Wort des Propheten Jesaja (56. Kapitel, Vers 5): "... denen will ich in meinen Mauern ein Denkmal und einen Namen geben..." (So spricht der Herr.) Herr Leder führte uns und gab Erläuterungen. Nach den Ausführungen zu dem großen Metallrelief in der Eingangshalle der Ausstellung gingen wir durch die Geschichtsausstellung, sahen uns dann das Denkmal für den Warschauer Ghettoaufstand an, verweilten am Denkmal Reichsbahn-Güterwaggon, gingen lange Zeit durch die Felsschluchten im Tal der Gemeinden und dann, nach einigen Erläuterungen zu Janusz Korczak an seinem Denkmal, durch die Gedächtnishalle für die ermordeten Kinder. Wir hatten auch das dänische Fischerboot gesehen und im Hain der Gerechten die Namenstafeln an den entsprechenden Bäumen für Oskar Schindler und Raoul Wallenberg. So wie es kurz vor uns der Papst gemacht hatte, beendeten wir unseren Besuch in Yad Vashem mit einer Ehrung der Toten in der Halle des Gedenkens.

Nach dem Abendessen kam Jacques Stroumsa zu uns ins Beth Shmuel. Einigen aus unserer Truppe war Herr Stroumsa von seinen Besuchen und Vorträgen in der Rückert-Schule wohl bekannt. In seinem Vortrag erzählte er uns von seiner Jugend in Saloniki , wo er 1913 als Kind spaniolischer, also sephardische Eltern geboren wurde, von seinem Studium in Paris und dann natürlich von seiner Zeit im KZ Auschwitz, wo er einige Wochen lang im Orchester Geige spielte, dann aber in einer Fabrik als Elektroingenieur arbeitete und so überlebte; und er überlebte auch den Abtransport von Auschwitz ins KZ Mauthausen (Österreich), wo er und die anderen Lagerinsassen 1945 von amerikanischen Truppen befreit wurde. Nach dem Vortrag und der Beantwortung vieler Fragen spielte Herr Stroumsa noch eine halbe Stunde auf seiner Geige. Da wir an diesem herrlich warmen Abend im Innenhof des Beth Shmuel zusammensaßen und nicht in einem Vortragsraum, war es -und auch für die vielen anderen Gäste, die nun besonders aufmerksam wurden- ein sehr schöner Ausklang. Wir dankten Herrn Stroumsa und versicherten ihm, dass wir uns auf ein Wiedersehen mit ihm in der Rückert-Oberschule freuen. (Inzwischen für Freitag, d. 26. Mai verabredet.)

   

 

 

13. April: Vom Ölberg zur Grabeskirche!

Nach dem Frühstück liefen wir zum Jaffator und fuhren mit Sammeltaxis zum Ölberg, genau gesagt zur Himmelfahrtkirche auf dem Gelände des Auguste-Victoria-Krankenhauskomplexes. Hier erwartete uns schon Jens Walker ein Theologe aus Stuttgart. Er erzählte uns von der Arbeit der Auguste-Victoria Stiftung und zeigte und erklärte uns die wunderbar restaurierte Kirche, ein Zeugnis Wilhelminischer Kirchenarchitektur,  mit ihren imponierenden Mosaiken der Neuköllner Mosaikfabrik Puhl&Wagner, die ja auch die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche ausgeschmückt hat. Nicht nur Kirche und Vortrag waren beeindruckend, sondern natürlich der Blick von hier aus ca. 870 m Höhe 'runter nach Jerusalem, 'rüber in die judäische Wüste und auch auf der anderen Seite noch mal 'runter zum Toten Meer, wo wir ja auch noch hinfahren würden, auf eine Höhe von fast 400 m unter dem Meeresspiegel. Nach diesem imponierenden Überblick und dem interessanten Einblick in das Wirken der Evangelischen Kirche in Israel, Palästina und Jordanien schlenderten wir nun los, vom Ölberg immer bergab: Himmelfahrtsmoschee und -kapelle, Pater-Noster-Kirche, die Prophetengräber, die Kirche Dominus Flevit (Besichtigung der Kirche und Blick übers Kidrontal zur Altstadt von Jerusalern), Gethsemane-Garten und Kirche Aller Nationen, Maria-Magdalena-Kirche, Mariengrab. Vorbei an der Stephanskirche gingen wir zum Stephanstor, auch Löwentor genannt, und waren nun in der Altstadt, auf der Via Dolorosa, die wir bis zur Grabeskirche verfolgten. Nach Besuch der Grabeskirche, des Deutschen Hospizes mit seinem schönen Innenhof und der Evangelischen Erlöserkirche blieb nach einer Falafelpause noch genügend Zeit für einen weiteren Basareinkaufsbummel, um dann zum Abendessen ins Beth Shmuel zurückzukehren, den freien Abend zu genießen und sich auf den nächsten Tag zu freuen.

   

 

 

14. April: Gleich nach dem Frühstück ging's los zu unserer letzten Tagesfahrt. Wir fuhren aus Jerusalem 'raus, nahmen die Straße Richtung Jericho, fuhren an der modernen Entwicklungsstadt Ma'aleh Adumin vorbei runter ins Jordantal, sahen unterwegs die Markierung am Straßenrand "Sealevel/Niveau de la mer" und wussten nun, daß wir unterhalb des Meeresspiegelniveaus sind. Dann bogen wir bald rechts ab und fuhren immer am Toten Meer entlang zu unserem ersten Ziel: der Bergfestung Massada. Mit der neuen Bergbahn fuhren wir 'rauf nach Massada, sahen uns dort die wichtigsten Stätten und Ausgrabungen (große Zisterne, Nordpalast des Herodes, Reste der Römerrampe) und hatten nun eine Vorstellung von der Situation, als im Jüdischen Krieg hier auf Massada nach der Eroberung Jerusalems durch die Römer über 900 Menschen Widerstand leisteten und erst nach einer mehrjährigen Belagerung kollektiven Selbstmord begangen, um die Knechtschaft bei den Römern zu vermeiden. - Dann fuhren wir mit der Kabinenbahn wieder 'runter, bestiegen unseren Bus und fuhren zum Naturreservat En Gedi (deutsch: Steinbockwasserfall). Diese herrliche Oase am Rande der judäischen Wüste ist schon in der Bibel erwähnt, so im Hohen Lied 1. Kapitel, Vers 14, wo es heißt: " Mein Freund ist mir eine Traube aus Zyprerblumen in den Weingärten von En Gedi." Aber auch im l. Buch Samuel (Vers 24 ff) wird die Höhle von En Gedi erwähnt, nämlich in der Geschichte, als David den Saul verschont und ihm stattdessen nur einen Zipfel seines Mantels abschneidet. - Dann wanderten wir los, an herrlichem Grün und plätscherndem Wasser vorbei bis zum ersten Wasserfall, in dessen Wasser wir (fast alle) badeten. Dann stiegen wir weiter bergauf, bis an den Davidswasserfall. Ein imponierendes Bild: dieser riesige Wasserfall mit den steilen Felswänden. Und das alles in der Wüste! Der Abstieg, ging leichter. Nicht nur, weil es bergabging, nein auch der Gedanke, nun endlich ins Tote Meer zu kommen , beflügelte uns. Dann waren wir da! Was für ein Erlebnis. Und es stimmt wirklich: Man geht nicht unter, und man kann wirklich im Wasser liegend Zeitung lesen.- Für den Rückweg nach Jerusalem ließ sich der Busfahrer überreden, einen kleinen Umweg zu fahren. So fuhren wir also erst nach Jericho hinein und gewannen einen kleinen Einblick in diese uralte Oasenstadt. Dann fuhren wir mit unserem Buß auf der (wohl auch uralten) Serpentinenstraße hinauf . Was für ein Blick! Von der Kante der Straße direkt in das Wadi Kelt und auf die seit herodianischer Zeit bestehende Wasserleitung, die von Jerusalem nach Jericho führt. An einer günstigen Stelle hielt der Bus und wir konnten an den Rand des Wadis gehen, hinuntersehen und einen Blick auf das griechisch-orthodoxe St. Georgskloster werfen. Natürlich, das war die Stelle, um ein Abschiedsgruppenfoto zu machen!

 

 

 

 

l5. April (Shabbat): Nun kam die Gelegenheit, doch noch den Tempelberg mit Al Aqusa Moschee und Felsendom zu besuchen. Wir nahmen wieder unseren vertrauten Weg: Jaffator, Armenisches Viertel, Jüdisches Viertel, Blick auf die Klagemauer, dann rauf auf den Tempelplatz. Al Aqsa-Moschee und Felsendom wurden besichtigt, vor allem aber: Es war allerbestes Fotografierwetter und so wurde die goldene Kuppel des Felsendoms wohl auf so manchem Foto verewigt. Ein letzter Blick übers Kidrontal zum Ölberg und dann verließen wir den Tempelplatz und tauchten noch einmal in den arabischen Teil der Altstadt ein, um die letzten Einkäufe zu tätigen und noch einmal richtig Falafel zu essen. - Nach der Mittagspause gab's das Angebot zum Shabbat-Spaziergang einschließlich Kaffee bzw. Eis auf der Terrasse, vom König-David-Hotel (Ein Muss, wenn man in Jerusalem ist! ein Fahrstuhlfahrt auf den Turm des YMCA-Gebäudes und ein letzter Blick über die Altstadt hinüber zum Ölberg und natürlich der Spaziergang durch das herrliche Yemin-Moshe-Viertel (Da könnte man es eine Weile aushalten) zur Montefiori-Windmühle und auch zum Löwenbrunnen und natürlich durch den Liberty Bell Garten. Und abends: Na klar, das letzte Mal zur Ben Yehuda Straße und zum Zionsplatz.

   

 

 

l6. Aprils: Nicht zu glauben, aber unsere Israelreise war vorbei... Flughafen Ben Gurion in Tel Aviv: problemlose Abfertigung, München: problemloses Umsteigen (mit Verspätung), Berlin-Tegel: begeisterter Empfang !

 

 

 

  Blick in das Wadi Kelt ( Gruppe leider im Weg )  


Bearbeitet und digitalisiert von Martin Hicke