Irland-Austausch 2002

Austauschprogramm der Rückert-Oberschule Berlin mit dem St.Columb’s College in Derry/Nordirland und der Strabane Grammar School,  Schüler und Schülerinnen der 11. Klassen/Profilkurse Englisch

Bilder vom Austausch

Unser erster Besuch in den Partnerschulen fand vom 12. bis 21. September 2002 statt. Am Austausch nahmen außer dem St. Columb’s College auch Schüler und Schülerinnen von zwei weiteren Schulen in Derry und Strabane teil, so dass die Berliner Gruppe weitere Einblicke in das Schulleben Nordirlands bekam. Neben der Teilnahme am Schulunterricht standen Ausflüge zum Giant’s Causeway, zum Ulster American Folk Park  und nach Belfast  auf dem Programm.

St. Columb's College, Derry, Northern Ireland

Das St. Columb's College in Derry, Northern Ireland, unsere Partnerschule.

Vom 24. Oktober bis zum 1. November folgte der Rückbesuch der irischen Schüler und Schülerinnen in Berlin, mit u.a. einem Besuch des Reichstags und einer Führung durch den Abgeordneten Herrn Barthel,  Besuchen im Rathaus Schöneberg mit Willy-Brandt-Ausstellung und in der Gedenkstätte Cecilienhof in Potsdam, Programmpunkte zur Veranschaulichung des Unterrichtsthemas „Berliner Geschichte“ im Rahmenplan der Oberstufe in Nordirland.

In diesem Zusammenhang danken wir allen Eltern, dass sie ihrerseits zum Gelingen des Austausches beigetragen haben!

Die Anmeldungsfristen und Termine für den Austausch im Herbst 2003 werden rechtzeitig im Frühjahr bekanntgegeben. Bei Anfragen und Vormerkungen wenden Sie sich bitte an Frau Kellermann.

Schülerberichte

Familienleben in Irland

Bei unserem Irlandaustausch nach Derry und Strabane gab es in Sachen Gastfamilie eigentlich keine Probleme. Die Familien waren sehr zuvorkommend und nett. Wir wurden zu jeder Tageszeit, nach jedem Ausflug, nach der Schule, u.s.w. gefragt, wie es uns ginge, ob wir einen schönen Tag hatten, ob wir Hunger oder Durst hätten, oder ob wir  irgend etwas anderes brauchten. An guter Behandlung fehlte es uns also nicht. Wir konnten uns mit Essen und trinken selbst bedienen, wenn wir Fragen hatten, wurde uns sofort geholfen und egal welchen Wunsch wir auch gehabt hätten, fast jeder wäre uns erfüllt worden.

Das Außergewöhnlichste allerdings, war die Abhängigkeit der Jugendlichen von ihren Eltern, jedenfalls bis zu ihrem 17. oder 18. Lebensjahr, denn dann konnten sie selbst Auto fahren. Da es so wenige öffentliche Verkehrsmittel gab und diese dazu auch noch nur selten fuhren, musste man überall mit dem Auto hingebracht und wieder abgeholt werden. Allein damit waren die Eltern schon viel beschäftigt, da sie uns morgens zur Schule, nachmittags zu Ausflügen und abends oft noch zu den verschiedensten Ausgehmöglichkeiten fuhren. Das schien aber normal zu sein und, da jede Familie mindestens zwei Autos besaß, gab es auch keine Probleme mit der Benutzungsaufteilung des Autos.

Außerdem wohnte jede Familie in einem eigenen 1-Familien-Haus mit Garten. Manche hatten ein größeres und luxuriöseres und manche ein kleineres und normales Haus, was aber nicht wirklich wichtig war.

Das Familienleben war nicht in allen Familien so eng wie bei uns hier in Deutschland, z.B. aß man nicht sehr oft gemeinsam. Nur am Wochenende war es anders, die Eltern fuhren mit uns ins Grüne, zeigten uns verschiedene Strände und überhaupt die schöne Landschaft Irlands. Am Sonntag Abend gab es ein besonderes Familienessen, da dies die einzige Zeit war, in der sich die „ganze“ Familie in Ruhe sehen konnte. Da wurde geredet, gelacht und es gab ein besonders leckeres Essen. Viele Familien in Irland sind auch wesentlich größer als hier in Deutschland. Die Menschen dort haben also im Durchschnitt mehr Kinder als die Menschen hier, außerdem leben dort sehr wenige Eltern getrennt.

Die Kinder müssen sich auch kaum im Haushalt beteiligen, sprich den eigenen Teller nicht vom Tisch wegräumen, nichts einräumen oder ausräumen, nicht die Wäsche aufhängen nicht kochen und ich glaube auch nicht putzen. Das fiel in allen Gastfamilien auf.

Aber alles in allem, war es eine gute Erfahrung und ein besonderes Ereignis mal in einem völlig anderen und fremden Haushalt zu wohnen und zu leben. Der Austausch nach Derry und Strabane sollte in den nächsten Jahren auf jeden Fall weitergeführt werden.

Max Hornberger

Belfast

Wir fuhren morgens mit dem Bus von Derry aus zur Belfaster Bus Station, um von da aus in die zehn Min. entfernte City zu laufen.

Dort angekommen, besorgten wir erst einmal einen kleinen Stadtplan von Belfast für jeden, um uns in den folgenden zwei Stunden in der City nicht zu verlaufen.

Wir erkundeten also in kleinen Grüppchen die Stadt und trafen uns danach wieder an der Central Station, von wo unser Bus anschließend startete.

Dieser führte uns erst quer durch die City, wo wir erfuhren, dass das Supermarktgebäude früher eine Bank war (ich war zufällig davor in diesem Supermarkt und hatte mich schon über das Prunkvolle Gebäude gewundert) und dass unter der Straße, auf der wir fuhren, ein Fluss fließt. Wir sahen das Werftgelände, auf dem auch die Titanic erbaut wurde,und noch einige eindrucksvolle Bauwerke, die zu besonderen Anlässen, wie z.B. dem Millennium erbaut wurden. Außerdem hat Belfast ein sehr großes und schönes Rathaus, das das Stadtzentrum sehr einnimmt, da sich alles Leben drum herum abspielt.

Danach fuhren wir durch den etwas aufregenderen Bereich Belfasts, den wir teilweise auch schon aus dem Fernsehen kannten. Wir sahen die zwischen Katholiken und Protestanten sehr streng mit Stacheldraht aufgeteilten Gebiete, die Murals (Wandbilder) beider Seiten, die sich künstlerisch mit dem Krieg auseinandersetzten, bzw. ihn auch in einer gewissen Weise schürten, da sie sehr grell und provokant waren. Meist zeigten sie die Opfer von Hungerstreiks oder Provokationen beider Seiten oder einfach Bilder, die den Krieg darstellten.

Hier in Belfast war deutlich zu sehen, wie eng doch Krieg und Frieden beisammen sein können. Auf der einen Seite der Stadt sterben Menschen und brennen Häuser und auf der anderen spielen Kinder in den bunten Plastikbällen eines Mc-Donald-Restaurants. Dieser Kontrast regt den Außenstehenden dazu an, sich nach dem eigentlichen Sinn solcher brutalen Auseinandersetzungen fragen.


Der Ulster American Folk Park

...befasst sich mit der Geschichte der Emigration der Iren nach Nordamerika ab ca. 1720. Im 18. Jh. waren die Arbeitsbedingungen so schlecht, dass Tausende von Siedlern, hauptsächlich aus Ulster, nach Amerika auswanderten. Dieser Prozess der Emigration dauerte an bis ins 19. Jh. und wurde nur vom amerikanischen Unabhängigkeitskrieg (1757-83) und den Napoleonischen Kriegen (1793-1815) unterbrochen. Viele Iren kamen in Amerika zu großem Reichtum, wie zum Beispiel die Familie Mellon auf deren Biographie der Park aufgebaut ist. Er ist in drei Themenbereiche unterteilt:

Die alte Welt in Irland,
Das Schiff und der Hafen,
Die neue amerikanische Welt 

In jedem der drei Teile kann man originale oder rekonstruierte Gebäude besichtigen, in denen noch  traditionell gekocht, gewebt, gebacken.... wird.

Mehr über den Ulster American Folkpark unter www.folkpark.com


Legende vom Giant's Causeway

Finn McCool, ein Riese, ging seinen täglichen Pflichten an der Nordküste nach, als einer seiner Gegner, ein schottischer Riese, zu schreien anfing und ihn verspottete.

Das ärgerte Finn und er nahm einen Klumpen Erde und warf ihn nach Schottland als eine Herausforderung an den schottischen Riesen, welcher sich mit einem Fels revanchierte. Er schrie, dass wenn er Finn in die Hände bekäme, dass dieser niemals wieder kämpfen könnte, aber er selber könne die kurze Strecke über den Kanal nicht schwimmen, also würde Finn dieses Schicksal erspart bleiben. Finn war darüber wütend und riss große Stücke von den Klippen, um sie in den Meeresgrund zu stecken und errichtete so einen stämmigen Damm nach Schottland. Als er fertig war schrie er: “Nun hast du keine Ausreden mehr!“. Aus Angst, seinen Ruf und Stolz zu verlieren, hatte der schottische Riese keine andere Wahl als über den Damm zu gehen.

Finn war sehr müde, denn er hatte in der Woche, in der er den Damm errichtete, nicht mehr geschlafen und fühlte sich noch nicht bereit zu kämpfen. Er dachte darüber nach, wie er etwas Zeit gewinnen könnte, um sich zu erholen und sich dem Riesen zu stellen und hatte einen genialen Plan. Schnell baute er ein großes Kinderbett, verkleidete sich als Baby, stieg hinein und wartete. Der schottische Riese, an Finns Haus ankommend, schrie: “Wo ist dieser Feigling McCool?“. Er bemerkte das Bett und das Baby dort drin. Er bekam Angst und dachte, dass wenn schon das Baby so groß ist, wie groß dann erst der Vater sei. Finn kletterte aus dem Bett und baute sich vor dem Riesen auf. In Angst den Vater zu treffen, rannte der Schotte so schnell, wie er noch niemals zuvor gerannt ist, über den Damm zurück und zerstörte ihn dabei.